11.12.2017

Das Kind im Etui



Gerade ältere Menschen kaufen sich die Krippe im Miniformat. Aber auch ins Krankenzimmer bringt sie ein bisschen Frieden und Freude.

Gerade ältere Menschen kaufen sich die Krippe im Miniformat. Aber auch ins Krankenzimmer bringt sie ein bisschen Frieden und Freude. | Foto: Andrea Hammerl

Gerade ältere Menschen kaufen sich die Krippe im Miniformat. Aber auch ins Krankenzimmer bringt sie ein bisschen Frieden und Freude. - Foto: Andrea Hammerl


Ideen hat er "ohne Ende – und in jede Richtung". Sagt Ruth Basel über ihren Ehemann Manfred. Ob er Theater- oder Kabarettstücke schreibt und spielt, malt oder Krippen bastelt – der 66-jährige Neuburger sucht stets das Besondere. Das Problem an Krippen ist, "dass jeder schon eine hat", weshalb Basel augenzwinkernd den "Trend zur Zweitkrippe" ausruft. Seit etwa vier Jahren baut er Krippen. Anlass war der Besuch einer Krippenausstellung, wo ihm der Gedanke kam: "Da würde mir was anderes einfallen." Tatsächlich ist ihm jede Menge anderes eingefallen. Vor allem hatte er erkannt, dass die Zweitkrippe nicht zu groß sein darf. Am besten gehen kleine Krippen, die idealerweise leicht mitzunehmen sind. "Krippen to go" nennt er sie.

Der Renner sind Krippen im praktischen Brillenetui. Wenn Basel auf einen Markt fährt, hat er 20 bis 25 dabei – und die gehen meist auch weg. Alle Brillenetui-Krippen sind Unikate, wie alle sonstigen Krippen auch. Es gibt sie in zwei Varianten: Entweder baut Basel die Krippe in den Deckel, oder ins Unterteil des Etuis ein. Meist bevorzugt er die Deckelvariante, weil die Krippe samt Figuren dann besser zu sehen sei. Einen Nachteil aber hat das Ganze – der Deckel wird schnell zu schwer und kippt, weshalb Basel zum Beschweren des Unterteils Steine verwendet, die er an der Donau oder in Steinbrüchen sammelt. Als weiteres Baumaterial benötigt er Island Moos und kleine Äste, bevorzugt solche, die dekorativ mit Flechten bewachsen sind. Am Island Moos schätzt Basel, dass es so elastisch ist und sich etwas zusammendrücken lässt, wenn der Deckel geschlossen wird. Alle Bestandteile der Krippe werden so ineinander geschachtelt, dass sich das Brillenetui in jedem Fall schließen lässt. Basel zeigt mit dem Finger neben das Krippengebäude und stellt klar: "Wenn hier ein Tannenbaum stünde, dann ließe sich das Etui immer noch zuklappen". Wenn das Moos sich beim Öffnen mal nicht mehr so richtig aufrichtet, dann empfiehlt er, zur Wasserspritzflasche zu greifen, und es leicht zu befeuchten. "Dann wächst es wieder", erklärt der Tüftler.




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