11.12.2017

Märchenhafte Weihnacht



Der kleine Ludwig mit dem Weihnachtsgeschenk von Großvater Ludwig I. (Bauklötzchen-Turm rechts im Bild) und Onkel Ottos Trommel;  Aquarell von Ernst Rietschel, 1850

Der kleine Ludwig mit dem Weihnachtsgeschenk von Großvater Ludwig I. (Bauklötzchen-Turm rechts im Bild) und Onkel Ottos Trommel;  Aquarell von Ernst Rietschel, 1850

Der kleine Ludwig mit dem Weihnachtsgeschenk von Großvater Ludwig I. (Bauklötzchen-Turm rechts im Bild) und Onkel Ottos Trommel;  Aquarell von Ernst Rietschel, 1850


Seit Wochen herrscht am Münchner Hof Ausnahmezustand – Weihnachten steht vor der Tür. Überall wird verschwörerisch geflüstert, die Kinder brüten über Wunschzettel ans Christkind und die Erwachsenen darüber, was davon zu erfüllen sinnvoll wäre – und es wurde beileibe nicht jeder Wunsch erfüllt! Für Ludwig II. war die Zeit um den 24. Dezember ein Leben lang die schönste im ganzen Jahr. Immer wieder betont er in seinen Briefen, welch besonderen Zauber "die theuren Weihnachtswochen, die ich stets mit gleicher Freude begrüße", auf ihn ausüben. Aber nicht das selber Beschenktwerden bereitet ihm dabei das größte Vergnügen, sondern vielmehr, das richtige Geschenk für ihm wichtige Menschen zu finden.

Obwohl sein Taschengeld als Kronprinz ausgesprochen bescheiden ist – mit zehn Jahren stehen ihm monatlich 12 Gulden zur Verfügung, mit fünfzehn immerhin schon 25 Gulden – gibt Ludwig den Hauptanteil nicht etwa für sich selbst aus, sondern für Geschenke, größtenteils übrigens für Bruder Otto, wie etwa für ein "kleines Schiff zum mit den Schwänen im Alpsee um die Wette Schwimmen lassen", oder eine "Schachtel Bleisoldaten", mit denen der drei Jahre Jüngere so gern berühmte Schlachten nachstellt. Mit dem Königssalär wächst auch der Geschenketat: 1871 zum Beispiel beläuft sich allein der für Weihnachten bereits auf stolze 300 000 Mark – Tendenz steigend! Zwischen dem 1. und 24. Dezember verwandeln sich dann jedes Jahr die königlichen Zimmer der Münchner Residenz und später Hohenschwangaus in einen riesigen Basar, in dem sich Juwelen, Samt und Seide, Bücher, Photographien, Elfenbeinschnitzereien, Vasen und Flakons in reizender Mannigfaltigkeit ausbreiteten.

Und jedes Jahr wieder ist das Aussuchen der Geschenke und deren Verteilung Freude und mühsame Arbeit zugleich, denn Ludwig beschenkt sie alle: die Königinmutter ebenso wie alle bayrischen Prinzen und Prinzessinnen sowie deren Hofdamen, seinen diensttuenden Adjutanten, den Kabinetts- und Hofsekretär, den Leibarzt, den ihn bei seinen Fahrten und Ritten begleitenden Stallmeister und seine gesamte Dienerschaft bis hin zum Küchenjungen – nicht zu vergessen die Armen aus allen Gegenden des Königreichs, deren übliche Zuwendung er nicht selten auf das Doppelte anhebt.




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