01.01.2018

Heimat für Weitgereiste




| Foto: Melanie Bäumel-Schachtner

- Foto: Melanie Bäumel-Schachtner


Die Wallfahrtskirche in Haindling gehört zu den ältesten Marien-Gnadenstätten im Bistum Regensburg und zog bereits im 14. Jahrhundert viele Gläubige nach Niederbayern. Direkt neben dem Gotteshaus lebt und komponiert Hans-Jürgen Buchner, der Kopf der Musikgruppe "Haindling", seine Melodien, die er in die ganze Welt hinaus schickt. Aber auch für die Familie von Thun und Hohenstein hat das kleine Dorf nahe der Stadt Geiselhöring eine magische Anziehungskraft. Dies liegt vor allem am alten Pfarrhof, der 1732 bis 1734 erbaut wurde, denkmalgeschützt ist und den die Grafen von Thun, drei Brüder, zusammen mit ihren Ehefrauen und Familien liebevoll restaurieren haben lassen. Aus einem verfallenden Anwesen ist so wieder ein barockes Kleinod geworden. Dazu beigetragen hat auch die Denkmalstiftung des Bezirks Niederbayern mit einem kräftigen Zuschuss von 20 000 Euro. Nun kann das alte Pfarrhaus weiter der Lebensmittelpunkt der Familie sein. Auch, wenn ansonsten alle in der ganzen Welt verstreut leben und arbeiten: Immer wieder kommen sie gerne zurück in die Heimat, die sie sich geschaffen haben.

"Krankheit der alten Steine"

Alles fing vor exakt 33 Jahren mit einer kleinen, unscheinbaren Immobilienannonce in der Süddeutschen Zeitung an, der die heruntergekommene ehemalige Propstei anbot. Claudia Gräfin von Thun und Hohenstein ließ dieses Inserat nicht mehr los. "Wir hatten schon immer die Krankheit der alten Steine", schmunzelt sie. Ihr Mann Dr. Thomas Graf von Thun und Hohenstein wollte erst gar nicht hinfahren aus der Landeshauptstadt, wo das Paar damals lebte: "Doch es war ein schöner, sonniger Julitag, und so haben wir einen Ausflug gemacht. Und uns prompt in das Haus verliebt." Die beiden Psychologen ließ das Gemäuer nicht mehr los, und auch die Brüder von Thomas von Thun waren fasziniert. Franz, Volkswirt in der Entwicklungshilfe, und Johannes, Schauspieler, waren mit im Boot. Da das Haus Wohnraum für drei Parteien bot, schlugen die von Thuns gemeinsam zu und erwarben die Immobilie. Und vor 20 Jahren verlegten Claudia und Thomas von Thun ihren Lebensmittelpunkt nach Niederbayern, zogen in das historische Gebäude und öffneten hier auch ihre Praxis.

Gemacht wurde immer wieder etwas, und dann war da auch noch das marode Dach, durch das es ins Haus regnete, ein immerwährendes Damoklesschwert. "Hier stand eine Badewanne", sagt Thomas von Thun schmunzelnd auf dem frisch sanierten Dachboden und zeigt in eine Ecke. An mehreren Stellen drückte das Wasser hinein, Eimer reichten irgendwann auch nicht mehr, "manchmal hat es auch den Gästen auf den Kopf getropft." Eine Grundsatzentscheidung stand an. Zu den drei Brüdern mit Ehefrauen gesellten sich inzwischen insgesamt zehn Kinder, und hier tagte der Familienrat: Wollen die Kinder die Immobilie auch später behalten, macht es also Sinn, all das Ersparte in die Restaurierung zu stecken? Alle sagten auf Anhieb ja: "Auch, wenn sie noch so weit in der Welt verstreut leben, sie kommen immer wieder nach Haindling zurück, und im Sommer wird es hier manchmal richtig voll", erklärt Miteigentümer Thomas von Thun schmunzelnd.




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