08.02.2018

Studie belegt: In der Region sind neue Schneelastzonen notwendig


von Stefan Rammer


Während aufgrund geänderterSchneelastberechnungen in oberbayerischen Orten laut dem Statiker Wolfgang Schwind bis zu 25 000 Euro beim Hausbau gespart werden könnten, würden die Kosten im Raum Passau entsprechend steigen. − Fotos: PNP

Während aufgrund geänderterSchneelastberechnungen in oberbayerischen Orten laut dem Statiker Wolfgang Schwind bis zu 25 000 Euro beim Hausbau gespart werden könnten, würden die Kosten im Raum Passau entsprechend steigen. − Fotos: PNP

Während aufgrund geänderterSchneelastberechnungen in oberbayerischen Orten laut dem Statiker Wolfgang Schwind bis zu 25 000 Euro beim Hausbau gespart werden könnten, würden die Kosten im Raum Passau entsprechend steigen. − Fotos: PNP


Der verheerende Dacheinsturz der Eissporthalle in Bad Reichenhall mit 15 Toten ist unvergessen. Für den Mittenwalder Ingenieur Wolfgang Schwind war das, wie er sagt, "ein Schlüsselerlebnis". Er forschte nach, erstellte 2007 ein erstes Gutachten im Auftrag des Bayerischen Ingenieurekammer-Bau. Ihm sei schnell klar geworden, dass die 2006 "hektisch" eingeführte europäische Schneelastnorm von falschen Berechnungen ausging. Die Norm schreibt fest, wie viel Schnee ein Dach aushalten muss.

Schwind hat mittlerweile über zehn Jahre am Thema gearbeitet. Nun hat er die Ergebnisse der für den Deutschen Wetterdienst erstellten Studie "Flächenhafte Analyse von Schneelastmesswerten in fünf Landkreisen Bayerns" vorgelegt. Ergebnis: "Ganze 70 Prozent der Schneelastzuordnungen entsprechen nicht den Gegebenheiten", so Schwind. Warum? Die Datenbasis war zu indifferent, es lagen also zu wenige Daten vor. So gab es etwa im Landkreis Garmisch-Partenkirchen lediglich zehn Messstationen mit Schneehöhenmessungen, aber nur drei, die das Wasseräquivalent (das Gewicht des geschmolzenen Schnees) messen. Beispiel: Eine ein Meter dicke Neuschneedecke ergibt einen Wasseräquivalent von ca. zehn Zentimetern. Mit anderen Worten gesagt: Wenn ein Prognosemodell eine Niederschlagsmenge von 100 Millimeter anzeigt, entspricht dies etwa einem Meter Neuschnee, im wesentlichen abhängig von der Dichte des Schnees.

Ingenieur Wolfgang Schwind.

Ingenieur Wolfgang Schwind.

Ingenieur Wolfgang Schwind.


Die untersuchten Landkreise sind Berchtesgadener Land, Miesbach, Passau, Rottal-Inn und Traunstein. Informativ untersucht wurden zusätzlich die Landkreise Garmisch-Partenkirchen und Oberallgäu. Bei 53 Prozent aller Gemeinden wurde die Schneelast zu hoch berechnet. Das bedeutet: Dort ist ein wesentlich kostengünstigeres Bauen möglich. Neue Häuser sind dort für viel Geld zu aufwendig gebaut worden. So sind viele Kommunen im Berchtesgadener Land nicht in der Schneelastzone 3, sondern in der Stufe 2 anzusiedeln. Nur Schneizlreuth müsste eine halbe Stufe höher gruppiert werden.

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