26.02.2018

Wenn auch die Augen fasten



Mit neun Passionstüchern werden die Altäre in der Pfarrkirche verhängt: 40 Tage lang müssen die Gläubigen mit der Gottesferne leben − bis am Ostersonntag, zum größten christlichen Fest, der Heiland auferstanden ist.

Mit neun Passionstüchern werden die Altäre in der Pfarrkirche verhängt: 40 Tage lang müssen die Gläubigen mit der Gottesferne leben − bis am Ostersonntag, zum größten christlichen Fest, der Heiland auferstanden ist. | Foto: Mechthild Wiedner

Mit neun Passionstüchern werden die Altäre in der Pfarrkirche verhängt: 40 Tage lang müssen die Gläubigen mit der Gottesferne leben − bis am Ostersonntag, zum größten christlichen Fest, der Heiland auferstanden ist. - Foto: Mechthild Wiedner


als Willibald Müller, früherer Kirchenpfleger der Pfarrkirche St. Peter und Paul in Irsee unweit von Kaufbeuren im Ostallgäu, einen außerordentlich wertvollen Kunstschatz fand. In einer abgestellten Kniebank auf der Kirchenempore entdeckte er, säuberlich zusammengerollt, neun vollständig erhalten gebliebene, so genannte Fastentücher mit der bildlichen Darstellung der Passion Christi, die unendlich viel zu erzählen haben.

Sorgfältig wurde die kunstvolle Entdeckung geborgen und sofort von Denkmalpflegern untersucht. Dabei stellte sich heraus, dass diese Tücher aus dem 18. Jahrhundert stammten und einen "Kunstschatz von europäischem Rang" darstellen, "denn sie bilden den letzten bekannten, noch vollständig erhaltenen Zyklus einer in Szene gesetzten Darstellung der Passion Christi", wie die Restauratorin Cornelia Ringer feststellt. Erwähnt wird dabei, dass derartige religiöse Kleinode auch im Voralpenraum auf das Mittelalter zurückgehen, wo die Ursprünge der regional unterschiedlich als "Passionstuch", "Palmtuch", "Hungertuch" oder "Schmachtlappen" und "Fastenlaken" bezeichneten Fastentücher in Klöstern zu finden sind. Die während der 40-tägigen Passionszeit bis zur Osternacht den Altarraum verhüllenden neun Tücher in Irsee verkörperten noch bis vor 50 Jahren in diesem, zu einem früheren Benediktiner-Kloster gehörenden Gotteshaus "eine alte liturgische Tradition". Eines Tages waren sie jedoch unauffindbar und gerieten in Vergessenheit. Lange Zeit erinnerte sich niemand mehr an sie.

Restaurierung scheiterte am Geld

Erst im Herbst 2000 brachte Kirchenpfleger Müller die Tücher zufällig wieder ans Tageslicht. Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege erstellte ein Konzept zur Konservierung und Restaurierung der neun Tücher. Zunächst konnten nur zwei der Hungertücher, nämlich "Gefangennahme" und "Kreuzabnahme", im Kircheninnern aufgehängt werden; die vorhandenen Mittel reichten nicht für die Instandsetzung der übrigen Tücher.

Im Jahre 2006 sorgte eine Zuwendung der "Kunststiftung Ernst von Siemens" dafür, dass auch die letzten Tücher noch denkmalpflegerisch behandelt werden konnten. Die Malschichten wurden gereinigt, die Farbpartikel auf den Leinwänden fixiert und Teile des Gewebes, das auch stabilisiert wurde, wieder in den ursprünglichen Zustand versetzt.




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