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24.05.2012  |  08:40 Uhr

Thema Geothermie bewegt die Menschen

Viele Besucher bei Bürgerversammlung: Future Water Energy GmbH informiert über aktuelles Projekt - Standortvorteil für Firmenansiedlung

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Schnaitsee (uk). Bei der Informationsversammlung zum Geothermie-Projekt in Schnaitsee haben sich sehr viele Bürger, nicht nur aus der Gemeinde, sondern aus der ganzen Region, aus erster Hand über Geothermie informiert. Geschäftsführer Matthias Hiegl von der Future Water Energy GmbH (FWE) konstatierte, dass diese "hydrothermale Tiefenenergie" viele Vorteile gegenüber der Wind- oder Solarkraft habe: Unabhängig von der Sonne oder vom Wind sei rund um die Uhr die Energiegewinnung möglich.

In Schnaitsee wolle die FWE ein solches Kraftwerk bauen, das ab 2015 mit heißem Thermalwasser umweltfreundlich Strom und Heizenergie erzeuge und so bis zu 3500 Haushalte in der Region versorgen werde. Auf dem Informationsabend standen besonders die nächsten Schritte des Projekts in Schnaitsee im Blickpunkt.

Aber zunächst musste Hiegl mit einigen Vorurteilen Schluss machen. Er zeigte anhand einer Erdbebenkarte auf, dass Erdbebengefahr in Oberbayern nicht bestehe. Er gab auch Entwarnung in punkto Grundwassergefährdung: "Durch ein Standrohr, das hundertprozentige Dichte garantiert, wird das Grundwasser nicht beeinflusst." Zudem könne das Kraftwerk passend zur jeweiligen Gegend gestaltet werden. "Eine Möglichkeit wäre es, das Kraftwerk im regionalen Baustil zu errichten. Auf diese Weise fügt es sich gut in das Landschaftsbild der Region ein", sagte Hiegl. Außerdem gebe es laut Hiegl keine Lärmbelästigung und auch keine Dampfwolke.

Der FWE-Geschäftsführer gab Hinweise zur Standortwahl, die auf Grund der seismischen 3D-Untersuchungen getroffen worden seien. Im Umkreis von 400 bis 500 Metern stehe der westliche Bereich von Kreuzstraße fest. "In diesem Gebiet werden wir bohren und später auch das Kraftwerk bauen. Hier war auch bereits in den 80er Jahren der Standort einer Bohrung. "Die haben damals nach Gas gesucht und das Wasser gefunden, das wir jetzt wollen", sagte Hiegl. Die möglichen Standorte seien mit der Gemeinde und dem Landratsamt bereits abgestimmt. Das Bauvorhaben sei privilegiert.

Hiegl erklärte auch die Entstehung des heißen Wassers. Die unten liegende Granitschicht werde durch den Erdkern ständig aufgeheizt, so dass das darüber liegende poröse Gestein, in dem sich das Wasser befindet, ständig auf einer konstanten Temperatur gehalten werde. In Schnaitsee würden etwa 130 Grad erwartet.

Danach erklärte der Referent die Funktion eines Geothermiekraftwerks. Dazu gab er auch Erläuterungen zur möglichen Auskopplung für eine eventuelle Fernwärmeleitung. Für die Gemeinde bringe dies auf alle Fälle Vorteile. So habe Schnaitsee damit Standortvorteile bei der Ansiedlung von Firmen, und wenn das Unternehmen Gewinn abwerfe, bleibe die Gewerbesteuer in Schnaitsee. "Mittlerweile haben wir dafür bereits die ,Schnaitsee Geothermie GmbH' gegründet. Wir wollen die Energie in der Region erzeugen und unmittelbar auf kurzen Wegen zum Verbraucher bringen."

"Bevor wir mit dem Bau das Kraftwerks beginnen können, müssen wir das unterirdische Wasser, das in einer Tiefe von 4000 Metern lagert und bis zu 135 Grad heiß ist, mit einer Explorationsbohrung erschließen", erklärte Hiegl den Bürgern. Anschließend überprüfen Pumptests, wieviel Wasser pro Sekunde aus der Tiefe gefördert werden kann. "Neben der Temperatur ist auch die Menge des Wassers ausschlaggebend. Um das Kraftwerk wirtschaftlich betreiben zu können, sollten wir bei den Tests etwa 150 Liter in der Sekunde fördern können", schilderte Hiegl.

Mit den Arbeiten am ersten Bohrloch werde das Unternehmen Anfang 2013 beginnen. Sobald die wasserführende Schicht erreicht sei, werde eine zweite Bohrung vorgenommen, durch die das geförderte Wasser im Kraftwerksbetrieb wieder in das unterirdische Reservoir zurückgeführt wird. "Wir werden in unserem Kraftwerk in einem geschlossenen Wasserkreislauf arbeiten", erläutert Hiegl.

Der Diplom-Geologe Franz Böhm aus München gab als "Bohrungsarchitekt" Erklärungen zur Bohrtechnik und zur Entwicklung der Geothermiebohrungen in Bayern.

Bürgermeister Vitus Pichler nahm zur Energiewende Stellung. "Jeder ist von den regenerativen Energien begeistert - aber sie sollen das Leben nicht beeinträchtigen und nicht in der Nachbarschaft sein. Aber wir bekommen diese Alternativen nicht umsonst. Wenn wir sie wollen, müssen wir auch einiges dafür tun. Wir wollen hier in Schnaitsee allem offen stehen. Wir werden auch rund um die Geothermie immer eine offene Informationspolitik betreiben. Mit der Installation eines Energieausschusses haben wir im Gemeinderat schon vorgearbeitet."

In der Diskussionsrunde kamen sehr viele Fragen auf die Referenten zu. Sie konnten aber zu den Themen wie Genehmigungsverfahren, Einsatz von Chemikalien, Finanzierung, zu den nötigen Gutachten und zur Wärmeversorgung von Schnaitsee erschöpfend Auskunft geben. Wichtig waren den Besuchern auch Fragen zum geplanten Zeitablauf.








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