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07.12.2011  |  00:00 Uhr

Tomaten dank Geothermie

Vertragsunterzeichnung gestern in Kirchweidach – Gewächshaus-Großprojekt soll 100 Arbeitsplätze schaffen

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Von Katrin Detzel

Kirchweidach. Das Land, wo die Tomaten wachsen, ist Bayern eher nicht. Künftig sollen dennoch vier bis fünf Millionen Kilo Tomaten im Jahr in Kirchweidach geerntet werden. Voraussetzung dafür ist, dass das geplante Geothermie-Kraftwerk in Betrieb geht. So ganz 100-prozentig ist es zwar noch nicht, ob die derzeitige Bohrung erfolgreich sein wird. Aber die Indizien dafür sind so positiv, dass gestern bereits ein Vertrag zwischen Gemeinde und Betreibergesellschaft unterzeichnet wurde. Dieser sichert der Gemeinde zu, dass sie die bei der Stromerzeugung entstehende Heizenergie nutzen darf. Denn neben dem Investor für das TomatenProjekt hoffen auch die Haushalte vor Ort auf ökologische Wärme.

Zur Unterzeichnung des Vertrags, auf den in Kirchweidach immerhin ein Jahr hingearbeitet wurde, hätte Bernhard Gubo, Geschäftsführer der GEOenergie Kirchweidach GmbH, gerne eine Erfolgsmeldung gehabt, stattdessen musste er im Kooperatorhaus eine weitere Verzögerung verkünden: Bei dem Bohrgerät sei übertage ein Schaden aufgetreten. Die Bohrfirma arbeite derzeit daran, diesen zu beheben. Auf genaue Aussagen über den Erfolg der letzten Bohrung hofft Gubo noch vor den Feiertagen. Das Bohrgerät könne nach aktueller Planung noch heuer abgebaut und zur nächsten Bohrstelle in Traunreut gebracht werden, wo es schon längst erwartet wird.

Bereits im September war es zu einer Verzögerung gekommen, weil das Heißwasservorkommen im zweiten Bohrloch nicht gereicht hatte, um das zuvor im ersten Bohrloch zutage geförderte Wasser nach seiner Nutzung wieder abgekühlt in den Untergrund zurückzupressen. Dazu, so Gubo, sei es nötig, bei beiden Bohrungen auf ein vergleichbares Wasservolumen zu stoßen. Im Oktober war nach nach Revisionsarbeiten am Bohrturm die Bohrung wieder aufgenommen worden. Vom zweiten Bohrloch aus wurde in 3000 Metern Tiefe in einer horizontalen Ablenkung nach Norden statt wie bisher nach Osten gebohrt – dies ist die derzeitige "zweieinhalbte" oder "2a"-Bohrung.

Florian Fritsch, der als Geschäftsführer der Fröschl Geothermie GmbH in Kirchweidach als Investor auftritt, sprach gestern von insgesamt drei bis vier Monaten Verzögerung, was bei diesem "Referenzprojekt für die ganze Branche" nicht groß ins Gewicht falle. Die geplante Kraftwerksanlage soll jährlich eine elektrische Leistung von bis zu 7,5 Megawatt erreichen. Die mögliche Wärmeauskopplung, die bei der Stromerzeugung mit dem bis zu 130 Grad warmen Thermalwasser entsteht, beträgt rund 13 000 Megawattstunden im Jahr. Kirchweidachs Bürgermeister Johann Krumbachner freut sich schon darauf, dass mit der Abwärme künftig der komplette Wärmebedarf seiner Gemeinde via Fernwärmenetz gedeckt werden könnte.

Doch die Aussicht auf umweltfreundliche Wärme lockt auch Unternehmer an: So will der Österreicher Josef Steiner in Kirchweidach in großem Stil Tomaten anbauen. Für ein 9,5 Hektar großes Gelände direkt neben dem künftigen Kraftwerk ist der Pachtvertrag fertig zur Unterzeichnung. Zusätzlich hat er auf der gegenüberliegenden Straßenseite die Option auf weitere 6,5 Hektar. Sämtliche Bauanträge sind fertig zum Einreichen. Rund 100 Arbeitsplätze will Steiner mit seinem Tomaten-Projekt schaffen, in das er schließlich auch Geld im "niedrigen zweistelligen Millionenbereich" investiert. Steiner betreibt in Hochburg/Ach – bei Burghausen knapp hinter der Grenze – einen Anbau von Heidel- und Himbeeren sowie eine Baumschule. Schon lange sucht er nach einem Standort für sein Tomaten-Gewächshaus.

"Bisher scheiterte es immer daran, dass in der Nähe des Kraftwerks kein ausreichend großes Gelände zur Verfügung stand", so Steiner. In Kirchweidach hat er ideale Voraussetzungen: Das bisherige Maisfeld, wo künftig sein 460 auf 220 Meter großes Gewächshaus stehen soll, ist in direkter Nachbarschaft des Bohrturms. Tomaten brauchen es warm; konstant 19 bis 21 Grad sollten es sein. "Der Schlüssel zum Erfolg ist günstige Energie", so Steiner. Deswegen gebe es in Deutschland so wenig Gemüseanbau in Gewächshäusern. "Fossile Brennstoffe will ich für ein Gewächshaus nicht verschwenden, das muss anders gehen", stand für Steiner fest. Als er im Januar von den Bohrungen erfuhr, wandte er sich an die Gemeinde und stieß bei Bürgermeister Krumbachner auf offene Ohren.

Mit 35 bis 55 Kilo Ertrag pro Quadratmeter und Jahr rechnet Steiner – insgesamt sind das vier bis fünf Millionen Kilo. Dem großen Importland Holland, das alleine 400 Millionen Kilo Tomaten im Jahr nach Deutschland liefert, wird er damit nicht zur Konkurrenz. "Bei einem Pro-Kopf-Verbrauch von elf Kilo könnte ich 400 000 Verbraucher mit Tomaten versorgen", rechnet der Unternehmer vor. Immer im Januar sollen die Tomaten gepflanzt werden, von Mitte März bis Ende November ist dann Erntezeit, auf die eine kurze Winterpause folgt.

Steiner hofft vor allem auf den süddeutschen Raum, wo er die bayerischen Tomaten auch aktiv bewerben möchte. "Dank der kurzen Lieferwege können wir die Tomaten lange an der Pflanze lassen und reif ernten", verspricht Steiner hohe Qualität. Er freut sich auf die Realisierung seines Großprojekts, in das er schon viel Geld und Zeit investiert hat. Wenn das endgültige positive Ergebnis der Bohrungen da ist, kann er erleichtert aufatmen – um sich dann erst recht in die Arbeit stürzen.








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