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19.10.2012  |  00:00 Uhr

"Herr Wolf kam nie nach Berchtesgaden"

Die Brüder Ulrich und Peter Karger veröffentlichen gemeinsames Buch

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Berchtesgaden. Die Brüder Ulrich und Peter Karger haben mit "Herr Wolf kam nie nach Berchtesgaden" ein gemeinsames Buch veröffentlicht. "Wer sich auf eine genaue Lektüre einlässt und gerne die skurrilen Anspielungen zwischen den Zeilen aufspürt, dem bietet sich höchste Lesefreude voll tiefsinnigem Humor, der bisweilen auch nachdenklich stimmt", findet unsere freie Mitarbeiterin Brigitte Janoschka, die bei der Vorstellung des Buches anwesend war:

In einer Erzählung voller Symbolgehalt, vor der noch vor dem Inhaltsverzeichnis mit "Achtung: Satire!" gewarnt wird, führt der Autor Ulrich Karger hin zur Einweihung eines Findlings, der stellvertretend für ein Denkmal für jenen geschmähten Führer oder vielleicht gar für den Symbolberg der Berchtesgadener, den Obersalzberg, steht. Und mit den damit im Zusammenhang stehenden Ereignissen nimmt der Schriftsteller schmunzelnd nicht nur so manche Eigenheit des Berchtesgadener Völkchens, sondern auch allgemein Menschliches aufs Korn.

Hitler könne – in Anlehnung an Ganghofers Spruch "Wen Gott lieb hat, den lässt er fallen in dieses Land" – kein von Gott geliebtes Kind sein, denn nicht er, Adolf, sondern dieser Findling, eben der Stein des Anstoßes, sei plötzlich auf die Gleisstrecke gefallen, auf der der Zug mit dem Führer im Jahr 1922 nach Berchtesgaden unterwegs war. In Vertretung und symbolisch für die eigentliche Person wurde dieser, tiefgründig "Wolfstein" genannte Felsbrocken später feierlich eingeweiht, und alles nimmt seinen Lauf.

"Was wäre geschehen, wäre dieser Verbrecher tatsächlich nach Berchtesgaden gekommen – es ist kaum auszudenken", lässt Ulrich Karger den lokalen Journalisten Leopold Koslowski

"Kaum auszudenken!"

in seiner Rede bei der Einweihung dieses "Wolfsteins" fragen, und es entwickelt sich ein wirklich spannendes Gedankenspiel über Hitlers An- oder Abwesenheit in Berchtesgaden.

Vordergründige Tatsachen werden scheinbar geleugnet, indem sprachlich der Konjunktiv verwendet oder verneinte Behauptungen ("Herr Wolf kam nie nach Berchtesgaden") aufgestellt werden. Diese doppelte Art der Satire über die Verneinung oder Verdrängung von dem, was zu kritisieren ist, muss als absolut kunstvolle Art der literarischen Kritik bezeichnet werden. Durchdacht und anspruchsvoll konstruiert Karger seine Geschichte bis zum Ende durch, und eventuelle Fragezeichen bei der eigenen Lektüre lösen sich bei der amüsanten, intonationsfarbigen Lektüre durch den Autor entschuldigend in Luft auf.

Verdrängen und

ausschlachten

Um die Richtigstellung einer falschen Behauptung geht es nicht wirklich in Ulrich Kargers Buch, sondern um ein Gedankenspiel um die Art und Weise, wie der Markt Berchtesgaden mit seiner geschichtsträchtigen Vergangenheit umgeht. Es geht darum, wie zunächst Tatsachen durch Verneinung verdrängt und dann schließlich und endlich doch für den Tourismus ausgeschlachtet werden. Dies erzählt Karger volksnah und in bester Kenntnis der Atmosphäre bei Gemeinderatssitzungen oder Denkmaleinweihungen.

Ulrich Karger hat mit diesem, sicher nicht nur regional interessanten Buch ein Gemeinschaftswerk mit seinem Bruder, dem Maler Peter Karger, verfasst, das beide in der Galerie Ganghof in Berchtesgaden vorstellten. Bei der Vernissage herrschte ein künstlerisch-urbanes Hinterhof-Flair, das so gar nicht oberbayerisch anmutete. Mit dazu trug auch der dritte Mann im Bunde bei, der Eventkünstler Gerhard Laber aus Salzburg, der seinen zwei Trommeln mit Hilfe von allen ihm zur Verfügung stehenden Hand-, Finger- und Armbewegungen sowie allerlei skurrilen Objekten am Rande des Absurden, rhythmische Töne und Klangfarben entlockte.

Das Buch der zwei Kargers präsentiert in einem gesamtkünstlerischen Rahmen mit einem Musikimprovisationskünstler – ein gehaltvoller Abend zum Genießen.








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