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05.04.2012  |  00:00 Uhr

Japan mitten im Chiemgau

Stephan Bauer richtet Japanzimmer ein – Werkstatt in Rumering, Kunden überall in Europa

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Von Katrin Detzel

Obing. Stephan Bauer hat als Schreiner seine Nische gefunden. Schon vor 15 Jahren. Eine, in der er sich sehr wohl fühlt – auch wenn sie noch so außergewöhnlich ist. In seiner Werkstatt im Obinger Ortsteil Rumersham entstehen filigrane japanische Türenelemente aus Holz und Papier. Auch ganze Japanzimmer richtet der Schreiner ein. Bei seiner Arbeit hat ihm vor ein paar Wochen ein Kamerateam des Bayerischen Fernsehens über die Schulter geschaut. Zu sehen ist der sechseinhalbminütige Beitrag heute von 19 bis 19.45 Uhr in "La Vita".

Das Thema der "La Vita"-Sendung lautet "Sushi, Schwertkampf und Kartoffeln – Japan mitten in Bayern". Darin macht sich das BR-Team auf Spurensuche nach japanischen Traditionen im bayerischen Alltag. Via Internet stieß es auch auf Stephan Bauer. Eineinhalb Tage lang gab er dem Team in seiner in einem Bauernhof untergebrachten Werkstatt einen Einblick in die japanische Wohn- und Lebenskultur.

Richtige Möbel, so wie wir das verstehen, hätten sie in Japan gar nicht, erklärt Stephan Bauer zunächst. Die Räume seien nahezu leer. Oft würde ein Wohnraum auch als Schlafraum genutzt, die Einrichtung beschränke sich auf Klapptische, ausrollbare Futons, die typischen Treppenschränke und Kisten. Wesentliches Merkmal der japanischen Einrichtung seien die sogenannten Shoji, bewegliche Trennwände aus einem hölzernen Gerüst, das mit Papier bespannt ist und dem Raum einen transparenten, schlicht-eleganten Charakter gibt. Das durchscheinend-weiße Papier (Washi) importiert Bauer aus Japan, für die Sprossen verwendet er Nadelbäume aus dem Pinzgau.

Der achtsame Umgang mit dem über viele Jahrzehnte gewachsenen Werkstoff Holz ist ihm wichtig. Handarbeit und Handwerkskunst spielen eine große Rolle. Sein Werkzeug sind vor allem Japansäge, Stemmeisen und Handhobel – zum Teil eigens in Japan eingekauft.

Besondere Mühe gibt sich Bauer mit der Auswahl der Baumstämme, die später sogenannte Schmucknischen (Tokonoma) zieren sollen. Tokobashira nennt man diese naturgewachsenen Stämme. In einem Wald nahe Rumersham wählt er eigens knorrige Stämme, solche mit Ausbuchtungen und Löchern – mit Charakter eben. "Bei uns wird sowas sonst ja als Brennholz aussortiert", so Bauer. In der fernöstlichen Kultur sei diese Unperfektheit gewollt, sie halte dem Menschen seine Vergänglichkeit vor Augen, zeige, dass er wie die Natur ist – nicht perfekt. Vorsichtig und in langwieriger Arbeit entfernt Bauer von diesen Bäumen die Rinde, ohne das Holz zu verletzten.

Seine Fertigkeiten hat er sich teils selbst beigebracht, teils auf einer seiner bislang fünf Japanreisen gelernt. "In Japan gibt es Handwerkerdynastien, in denen das Wissen von Generation zu Generation weitergegeben wird. Und jede Generation versucht, besser zu sein als die vorherige", erklärt er.

Seine Kunden sind primär Privatleute, die sich ein Shoji oder sogar ein ganzes Japanzimmer einbauen lassen. Er nennt ein Beispiel: "Eine Kundin ist Japanerin, aber sehr westlich aufgewachsen. Über diesen Raum hat sie wieder Zugang zu ihrer Kultur gefunden. In ihn geht sie, wenn sie entspannen will." Durch die Amerikanisierung ihres Landes hätten viele Japaner den Bezug zu ihren Traditionen verloren, so der Schreiner. Und so bizarr es klingt: Dadurch, dass man in Europa ihre Kultur zunehmend schätze, gewinne sie auch in Japan an Wert zurück.

Bauer selbst lebt in einem 200 Jahre alten Bauernhaus – ohne Japanzimmer, aber mit einigen Shojis und Fusumas (Trennwände). Seine Kunden finden ihn über das Internet. Sie kommen aus ganz Deutschland, Italien, Österreich oder Luxemburg. Sogar nach Finnland hat Bauer schon mal ein Shoji verschickt.

Japan war für den gebürtigen Münchener schon als Kind ein vertrautes Land. Sein Urgroßvater war als erfolgreicher Unternehmer bereits vor 100 Jahren nach Japan gereist. Die Kunstwerke, die er mitgebracht hat, und die Geschichten, die in der Familie über dieses ferne Land erzählt wurden, faszinierten seinen Urenkel von klein auf. Heute möchte er mit seinen Einzelstücken nicht nur Mensch und Natur verbinden, sondern ein Stück weit auch Bayern und Japaner.








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