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01.10.2011  |  00:00 Uhr

Traunsteiner Feuerwerker zünden Rekordbombe über Berlin

Zwei-Mann-Firma Bavaria Fireworks schießt am 12. November Europas größte Pyro-Kugel in den Hauptstadthimmel

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Von Thomas Thois

Traunstein/Traunreut/Berlin. Am Samstag, 12. November, lassen sie über Berlin die Bombe platzen – und dann sind Thomas Wagner (45) und Udo Neumann (49) aus Bergen Europas führende Pyrotechniker. Die findigen Chefs der Traunsteiner Firma Bavaria Fireworks wollen zum Abschluss der Pyro-World-Messe am ehemaligen Flughafen Tempelhof ein Rekord-Feuerwerk zünden, indem sie eine 450 Kilogramm schwere Kugel von einem Meter Durchmesser fast einen Kilometer hoch in den Hauptstadthimmel schießen und einen gigantischen Farbenteppich erzeugen. "Das wäre die größte jemals in Europa hochgeschossene Kugelbombe", so Udo Neumann. "Ein größeres Kaliber haben bislang nur die Japaner geschafft."

Es ist das Highlight der noch jungen Firmengeschichte. Seit April firmiert die Zwei-MannFeuerwerks-Manufaktur unter dem Namen "Bavaria Fireworks", nachdem Thomas Wagner vorher als pyrotechnisch hochbegabter Einzelkämpfer unterwegs war in Sachen OneShots, Blitzknall und Großkaliberbomben.

Das aus den Büros in Traunstein, einem Bunkergelände nahe Rosenheim und einem Herstellungsbetrieb nahe Traunstein bestehende Unternehmen ist europaweit schon gut vernetzt. "Mit der Rekord-Kugelbombe wollen wir uns weiter etablieren", so Udo Neumann, für den der letzte der drei Messe-Tage in Berlin doppelt historisch werden könnte. Denn just am 12. November feiert der aus Bergen auf der Insel Rügen stammende und in Bergen im Chiemgau lebende Unternehmer seinen 50. Geburtstag. "Ein schöner Zufall. Und das größte Geschenk wäre natürlich, wenn die Herausforderung klappt."

Nach dem Motto "Sicherheit und Qualität an erster Stelle" wird derzeit fleißig an dem gewaltigen Prototyp gewerkelt. "Wenn da in Tempelhof Tausende Leute zuschauen, und bei gutem Wetter vielleicht halb Berlin, soll natürlich alles reibungslos ablaufen", betont der 49-Jährige. Deshalb wird vorher alles genau geplant und berechnet – von Flugbahn und Ballistik über die Schwarzpulvermenge bis zum Sicherheitsabstand. "Und wir werden – vermutlich bei uns in der Region – einen Testlauf machen und eine Kugel ohne Effektladung in die Luft schießen."

Die "Kanone" dazu ist fast fertig. Die Firma Bavaria Composites aus Biebing bei Traunreut hat den XXL-Mörser aus glasfaserverstärktem Kunststoff fabriziert. Als Form für die vier Meter lange und 640 Kilo schwere Abschussrampe, die fast vollständig in den Boden eingegraben werden muss, diente ein ausrangierter Öltank.

Die "Kanonenkugel" selbst existiert bislang nur als Styropor-Dummy, "den wir zu Werbezwecken übrigens auch schon für ein Gipfelfoto auf den Hochfelln befördert haben", wie Neumann berichtet, so dass die Riesen-Murmel also schon mal auf 1674 Metern Höhe war. Am Abschlussabend der Pyro-Fachmesse in Berlin würden schon 800 Meter reichen – wobei diese dann nicht gemächlich mit der Seilbahn überwunden werden, sondern in einem rund achtsekündigen, rasanten JungfernSteilflug, der seinen Antrieb aus der Explosionskraft von 35 Kilogramm Schwarzpulver bezieht, die die Bavarian Fireworkers in die "Dicke Berta" aus Biebing stopfen und per elektrischer Fernsteuerung zünden werden.

"Einfach hingehen und mit dem Streichholz anzünden könne wir das Ganze natürlich nicht", scherzt Udo Neumann. "Da müssen streng die Sicherheitsabstände eingehalten werden, eventuell bis zu einem Kilometer, denn unser großer Leuchtteppich wird einen Durchmesser von rund 600 Metern haben."

"Project 1000" haben Wagner und Neumann ihr pyrotechnisches Riesen-Baby getauft – wegen der Kaliberzahl von 1000 Millimetern.
Das Feuerwerk, das die Mega-Kugel in den Berliner Nachthimmel transportiert und per verzögerter Zündung freigibt, soll 20 Sekunden oder länger dauern und ein gigantisches Farbenschauspiel über die Bundeshauptstadt zaubern. Wobei die Bevölkerung bei der Effektgestaltung mitreden kann – bei einem Online-Wettbewerb auf der Firmenhomepage, dessen Sieger dann sogar per Knopfdruck die Bombe zünden darf.

Dass von dem mit einem halben Jahr Vorbereitungszeit und 30 000 bis 50 000 Euro Kosten verbundenen Spektakel am Ende nicht nur Schall und Rauch übrig bleiben, davon ist Udo Neumann überzeugt. "Wir wollen zeigen, was technisch möglich ist." Ein leuchtendes Beispiel der Handwerkskunst soll es werden, "denn Feuerwerker sind ja auch zu einem gewissen Grad Künstler". Das Interesse an "Project 1000" ist schon jetzt enorm. "Es gibt bereits Anfragen von Großhändlern aus dem Ausland, die sowas unbedingt auch haben wollen", so Neumann, wobei traditionell die südeuropäischen Länder besonders glühende Feuerwerk-Fans sind. Vor allem in Italien, Spanien und auf Malta werde diese uralte Faszination gepflegt. Ein interessanter Markt also für die Traunsteiner Shooting-Stars der Szene. "Wobei wir aber von dieser Riesenkugelbombe sicher nicht mehr als vier Stück pro Jahr produzieren können, weil wir uns ja auch noch um unsere restliche Produktpalette kümmern müssen."

So oder so ist eines wichtig: Dass der 12. November ein rundum gelungener Geburtstag wird. Sowohl für den dann 50-jährigen Udo Neumann, als auch für sein 450 Kilo schweres "Geburtstags-Kind", das gegen 21 Uhr 800 Meter über Berlin das Licht der Welt erblicken – und vor allem eindrucksvoll verschönern – wird.








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