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10.03.2010  |  00:00 Uhr

Den "blonden Engel" verabschiedet

Evangelische Christusgemeinde Trostberg feierte ihren Pfarrer Andreas Herden – "Ein guter Zeuge des Evangeliums"

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Trostberg (fam). Viel Wertschätzung, Sympathie und Dankbarkeit hat Pfarrer Andreas Herden am Sonntag erfahren. Mit einem Gottesdienst und mit einem Empfang wurde Herden aus seiner Funktion als Seelsorger der Christusgemeinde verabschiedet. Wegbegleiter, Würdenträger aus Kirche und Politik, Freunde und Verwandte haben dies genutzt, Herden Dank zu sagen und auch ordentlich zu beschenken. Herden ist zwar in Trostberg nicht mehr Seelsorger, Stadt und Gemeinde bleibt er jedoch erhalten: Sein Abschied ist rein beruflicher Natur, seit 1. März ist Herden Assistent des Geschäftsführers der Inneren Mission München e. V., Dr. Günther Bauer. Bauer war auch bei der Verabschiedung Herdens am Sonntag dabei.

Gemeinsam mit Pfarrer Wolfram Hoffmann und Vikar Dr. Ingo Klitzsch sowie Pfarrer Wolfgang Schmidt-Pasedag aus Übersee feierte Herden in der Christuskirche Gottesdienst. Bei seinem Wirken in Trostberg haben Herden viele Gruppen der Gemeinde sehr am Herzen gelegen – unter anderem die Kindertheatergruppe. Sie bot mit dem Stück "Andis Abpflug" ein "Best of"-Programm der gemeinsamen Aufführungen. Am Schluss überreichten die Kinder Herden eine Warnweste mit der Aufschrift "Pfarrer im Einsatz".

Der Begriff "Abpflug" war Anspielung auf den Pflug als Sinnbild für die Seelsorge. Herden nahm diesen Ball, den ihm die Kinder zuspielten, auf: Wer seine Hand an den Pflug legt, dürfe nicht zurückblicken. "Jesus blickt nicht zurück. Er ist geschickt für das Reich Gottes." Blickte er, Herden, nun wehmütig auf seine Zeit in Trostberg zurück, würde er seiner neuen Aufgabe in München nicht gerecht werden.

"Trotzdem: "Ein bisschen zurückblicken wollen wir heute schon", sagte Traunsteins Dekan Gottfried Stritar. Es sei angebracht, zurückzublicken und Herden für das zu danken, was er in der Christusgemeinde bewirkt hat. "Sie waren ein guter Zeuge des Evangeliums. Und das ist eigentlich das Schönste und Wichtigste, was man von einem scheidenden Pfarrer, einer scheidenden Pfarrerin sagen kann."

Herden stelle sich eindeutig auf die Seite derer, die zum Leben zu wenig haben. Mit seinem Einsatz für Menschen, denen es nicht so gut geht, habe Herden einen großen Beitrag geleistet, dass Kirche an Glaubwürdigkeit gewinnt. Daher sprach Stritar Herden seinen Dank auch im Namen derer aus, die Herden begleitet, getröstet und gestärkt hat. "Diese Dankbarkeit und Wertschätzung wird bleiben – auch über den Abschied hinaus. Ihr Abschied und Ihr Neubeginn stehen unter dem Segen Gottes", sagte Stritar und entband Herden im Namen des Landeskirchenrats von seinen Pflichten in der Christusgemeinde.

Der kirchlichen Verabschiedung folgte die weltliche Feier unter dem Kirchendach – in dem neu gestalteten Raum, der Herden ebenfalls Herzensangelegenheit war und ist. Trostbergs Bürgermeister Karl Schleid erklärte, dass es in der heutigen Zeit nicht einfach sei, Spuren zu hinterlassen. Sowohl in Politik als auch in Kirche vermisse Schleid Typen, wie es sie früher einmal gegeben habe. Herden sei eine positive Ausnahme. Mit Blick auf Herdens neue Aufgabe in München sagte Schleid: "Sie haben den Mut, in die Zukunft zu gehen." Er sei überzeugt, dass es eine positive Zukunft wird.

"Die Kirche ist nur dann Kirche, wenn sie für andere da ist", zitierte Franz Freutsmiedl, Rektor der Trostberger Hauptschule, den evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer. "Das trifft auch auf Sie zu, so lernte ich Sie an unserer Schule kennen." Herden habe es einfühlsam geschafft, Jugendliche für den Glauben zu gewinnen und christliche Fundamente zu setzen. Der Rektor hob Herdens Engagement für die Ökumene hervor. "Die auch mir ein Anliegen ist", fügte Freutsmiedl hinzu.

Die Ökumene war auch Thema in der Ansprache von Michael Kohl, Pastoralreferent in der katholischen Stadtpfarrei St. Andreas Trostberg. Kohl bezeichnete die Zusammenarbeit mit den evangelischen Kollegen als gut. "Ihr macht es einem aber auch leicht." Die Chemie stimme. "Es war schön und ist schön", betonte Kohl und blickte auf die gemeinsamen Erlebnisse mit Herden zurück: "Es war wirklich eine gute Zeit."

Eine Anekdote wusste Pfarrer Wolfgang Schmidt-Pasedag aus Übersee zu berichten: Herden sei bis 1998 in der Personalliste der evangelischen Landeskirche als Frau geführt worden – und zwar unter dem Namen "Andrea Herden". Doch dazu hätten sicher seine "weiblichen Anteile" geführt: Anteilnahme und mütterliche Sorge, die MutterVater-Figur Herden. "So haben wir dich im Pfarrkapitel auch erlebt: der blonde Engel."

Einige Laudatoren sagten Herden noch Dank: unter anderem der Jugendausschuss, Brigitte Huber vom Arbeitskreis Nächstenhilfe, Thomas Zugehör von der Diakonie Traunstein und Anton Naglschmidt von der Egerländer Gmoi. Dorothea Rinke, Vertrauensfrau Herdens vom Kirchenvorstand, wünschte dem Pfarrer alles Gute und Gottes Segen. Sehr persönlich gehalten waren die Abschiedsworte von Pfarrer Wolfram Hoffmann und die Abschlussrede Herdens.

Für die künstlerischen Farbtupfer sorgten die Pfadfinder und der Frauenkreis Miriam. Zwischen den Grußworten sangen die Pfadfinder einige Lieder. Annemarie Schott und Dorothea Rinke vom Frauenkreis hatten in bewährter Manier einen Sketch einstudiert, mit dem sie Herden und den Gemeindemitgliedern den Abschied etwas versüßten.








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