• pnp.de
  • regioevent.de
  • heimatsport.de


pnp.de 27.02.2017



Icon Breadcrumb Sie sind hier:
RSS-Feed abonnieren
  • Akuelle Nachrichten werden geladen...




18.05.2010  |  00:00 Uhr

Rote Karte für rechte Band

Auf Druck der Gemeinde will Ruhpoldinger Discobetreiber die Hooligangruppe "Kategorie C " nun wieder ausladen

Lesenswert (0) Lesenswert kommentierenKommentare Weitersagen Weitersagen drucken Drucken






Von Thomas Thois

Ruhpolding/Traunstein. Mit vereinten Kräften haben die Ruhpoldinger ein für kommenden Samstag geplantes Konzert einer rechtsradikalen Band in der Diskothek "Fire & Ice" verhindert. Nachdem Bürgermeister Claus Pichler und mehrere Gemeinderäte den Disco-Betreiber Sascha Theis eindringlich gebeten haben, die Bremer Hooliganband "Kategorie C – Hungrige Wölfe" wieder auszuladen, sagte dieser gestern Nachmittag gegenüber Ihrer Lokalzeitung: "Das Konzert wird nun doch nicht stattfinden, ich werde der Band absagen."

Ob man schon Entwarnung geben kann, ist aber fraglich, denn der Ruhpoldinger Polizeichef Manfred Kriechbaumer weiß, dass sich die rechte Szene bei Widerstand oft auch kurzfristig andere geheime Veranstaltungsorte sucht.

Dass sich Sascha Theis die Band "Kategorie C" für kommenden Samstag ins "Fire and Ice" (ehemals "Big Easy" und "Klause") eingeladen hatte, war trotz des Bemühens der rechten Szene, solche Konzerte möglichst geheim zu halten, an die Öffentlichkeit gelangt. Und die reagierte besorgt, verängstigt und empört.

Gemeinderäte, Touristiker und Bürgermeister ergriffen die Initiative, erkundigten sich über die Band und deren Zielgruppe, über die Erfahrungen in anderen Orten, die von ähnlichen Rechtsrock-Gruppierungen heimgesucht wurden, etwa Halsbach zu Zeiten des Gastwirts Gruber. Das Problem: Sascha Theis war – und ist immer noch – der Meinung, "dass es eine ganz normale Musikband ist, so ähnlich wie Rammstein oder die Böhsen Onkelz", und dass alles dramatisiert werde. "Viele Leute in Ruhpolding haben mich gebeten, diese Band einzuladen, weil sie sie sehen wollen."

Der "Fire and Ice"-Betreiber betonte aber gestern Nachmittag, dass er nun dem Wunsch des Bürgermeisters entsprechen werde, die Band wieder auszuladen, "weil die Gefahr besteht, dass es zu Gegendemonstrationen und Eskalationen kommt – und das ist dann auch nicht in meinem Sinne".

"Wir hoffen, dass er die Konzertabsage auch wirklich und wirksam durchzieht", sagte gestern Abend Ruhpoldings Bürgermeister Claus Pichler.

Rechte Bands verfolgen oft die Taktik, Hallen oder Säle unter Vorspiegelung falscher Tatsachen anzumieten, etwa durch ein nettes junges Pärchen, das Räumlichkeiten für eine Verlobungs- oder Geburtstagsfeier mit Band sucht. Oft sind dann die Vermieter überrascht, dass Glatzköpfe mit "White Power"-Shirts anreisen und aus dem Saal "Juda verrecke" schallt. Im Fall Ruhpolding war dies anders, da konnte der Kneipier durchaus wissen, wer da am 22. Mai im Anmarsch sein würde: "Kategorie C – Hungrige Wölfe" bewegen sich seit ihrer Gründung 1997 zwischen der Hooligan- und Neonaziszene. Die Lieder der Band, deren Namen auf die Polizeibezeichnung für gewaltbereite Fußballfans zurückgeht, drehen sich um die "3. Halbzeit", Alkoholexzesse und Männerfreundschaften, sind zum Teil aber auch unverblümt rassistisch. Sänger Hannes Ostendorf war, wie die Berliner "taz" und andere Zeitungen berichten, 1991 an einem Brandanschlag auf eine Flüchtlingsunterkunft in Bremen beteiligt. Regelmäßig trat die Band mit anderen Rechtsrockgruppen bei Szene-Events auf. Mittlerweile ist die Band zum Teil neu formiert. Dass ein Teil der Musiker als gewaltverherrlichend und unter Rechtsextremisten beliebt eingestuft wird, haben Verfassungsschutzsprecher etwa in Brandenburg oder Niedersachsen bestätigt.

Gestern Vormittag, als die Konzertabsage durch den unter Druck geratenen Veranstalter noch nicht bekannt war, hat die Redaktion Roman Schneider, Pressesprecher am Landratsamt Traunstein, befragt: Eine Rechtsgrundlage, das Konzert im Vorfeld zu verbieten, gebe es nicht, denn laut Landesstraf- und Verordnungsgesetz ist die Veranstaltung nur anzeige-, aber nicht genehmigungspflichtig. "Das wäre sie nur bei 1000 Besuchern oder mehr." Umso wichtiger sei es, dass man hier den Schulterschluss zwischen Gemeinde, Landratsamt und Polizei gemacht habe, um im Rahmen der rechtsstaatlichen Möglichkeiten zumindest sicherzustellen, "dass die Veranstaltung in geordneten Bahnen verläuft, es zu keinen Gewaltaufrufen kommt, der Rechtsstaat nicht verunglimpft, Bevölkerungsgruppen nicht diskriminiert oder Nazi-Verherrlichung betrieben wird." Die Veranstalter seien ihrer Anzeigepflicht nachgekommen, dadurch hätten Behörden und Polizei die Möglichkeiten, ähnlich wie bei NPDDemonstrationen, entsprechende Vorbereitungen zu treffen.

"Und wir sind vorbereitet", versprach gestern der Ruhpoldinger Polizeichef Manfred Kriechbaumer, der betont, dass Beamte auf jeden Fall einschreiten müssten, wenn Leute den Hitler-Gruß zeigen oder NaziParolen rufen. Wobei es Kriechbaumers große Sorge gewesen wäre, dass die Veranstaltung Gegenaktionen aus dem linken Spektrum auslöst. "Erfahrungsgemäß kann es da leicht zu Provokationen kommen."



 
weiterlesen Seite 1 / 2
Pfeil Pfeil






Dokumenten Information
Copyright © heimatzeitung.de 2017
Dokument erstellt am










Anzeige





Bunt und einfallsreich waren die Kostüme und Faschingswägen bei den zahlreichen Umzügen in der Region. − F.: Eckelt/Schlegel/Hamberger

Ausgefallene Kostüme, kreative Faschingswägen - und super Stimmung: In ganz Südostbayern...



Ein Mitarbeiter der Spurensicherung steht vor dem Haus in Höfen bei Königsdorf im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen, in dem zwei Menschen getötet und eine weitere Person schwer verletzt wurden. − Fotos: dpa

In einem Einfamilienhaus in Königsdorf (Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen) wurden in der Nacht von...



Blumen und eine Kerze für das Opfer der Amokfahrt in Heidelberg. Ein 35-Jähriger war am Samstagabend mit dem Auto in eine Menschenmenge gefahren. Ein 73-Jähriger Mann kam dabei ums Leben. −Foto: dpa

Gegen den 35 Jahre alten mutmaßlichen Todesfahrer von Heidelberg ist Haftbefehl erlassen worden...



Einbrecher haben einen Familienvater in dessen Haus in Mühlheim lebensgefährlich verletzt. −Symbolfoto: dpa

Ein 37-jähriger Familienvater aus Mühlheim an der Ruhr ist in seinem Haus von Einbrechern...



Das Wirtshaussterben in Neuötting war beim Gaudiwurm am Stadtplatz mehrfach interpretiert – hier von der Neuöttinger CSU. − Fotos: Lambach/Wieland

Mindestens 10000 Besucher haben – jedenfalls nach Neuöttinger Zählweise – am Samstag...





Viel zu investieren, viel Arbeit, zu wenig Gäste – nicht nur der Neuöttinger Gasthof Krone zieht angesichts dessen die Notbremse. − F.: Kleiner

Der "Dörfl" in Neuötting, der "Brandhof" in Alzgern – es sind traditionsreiche Namen...



Stielt Martin Schulz der CSU dieses Jahr die Show? Veranstalter erwarten einen großen Ansturm beim Politischen Aschermittwoch der SPD in Vilshofen. − Foto: dpa

Seit Jahren rühmt sich die CSU damit, am Politischen Aschermittwoch den "größten Stammtisch der...



Polizisten begleiten abgelehnte Asylbewerber auf dem Flughafen Leipzig-Halle im sächsischen Schkeuditz. Foto: dpa

Etwa 50 Afghanen sollen noch am Mittwochabend vom Münchner Flughafen aus in ihr Heimatland...



Der Aktionskünstler Wolfram Kastner (l) und sein Rechtsanwalt Jürgen Arnold warten auf den Prozessbeginn im Landgericht in München. − Foto: dpa

Der Künstler Wolfram Kastner darf künftig keine weiteren Kunstaktionen an der Gedenkstätte für den...



Dank Martin Schulz nimmt die Beliebtheit der SPD wieder zu. Was es mit dem sogenannten Schulz-Effekt auf sich hat, erklärt der Passauer Politologe Heinrich Oberreuter (kleines Bild) im PNP-Interview. −Fotos: dpa/ Thomas Jäger

Die SPD überholt im Deutschlandtrend die Union, zum Aschermittwoch in Vilshofen kommen mehr Leute...





"Ihr Konto ist abgelaufen", heißt es in der Email, die Betrüger derzeit auch an Empfänger in Niederbayern und der Oberpfalz verschicken. −Screenshot Polizei Niederbayern: PNP

Die Polizei warnt vor neuen betrügerischen Emails, die derzeit auch in Niederbayern und der...



Offensive Öffentlichkeitsarbeit betreibt die Firma BSH Bosch Siemens Haushaltsgeräte GmbH mit ihrer Werbung, die sich als Freiwillige Sicherheitsmaßnahme herausstellt. −Screenshot: io

"Es handelt sich um eine Freiwillige Sicherheitsmaßnahme, keinesfalls um eine Rückrufaktion"...



Ein schwerer Unfall hat sich am Freitagmorgen bei Burgkirchen ereignet. Eine Frau kam dabei ums Leben. − Foto: Timebreak21

Bei einem schweren Unfall ist am Freitag eine 59-jährige Emmertingerin unweit des Chemieparks...



Hubert Ilsanker ist immer für einen Spaß zu haben – und steigt dafür auch mal in seinen Brennkessel. − Fotos: Pfeiffer

Nahe dem Watzmann, oberhalb des Königssees, gräbt Hubert Ilsanker 25 Jahre lang nach seltenen...



Die eisigen Mienen sitzen, die Kostüme auch: Das Ensemble der Jungen Buehne Trostberg probt intensiv das Drama "Glaube Liebe Hoffnung" von Ödön von Horvath. − Foto: Junge Buehne

Das Leben ist nicht gerecht. Die Gesellschaft ist nicht gerecht – erst recht nicht die...