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18.05.2010  |  00:00 Uhr

Rote Karte für rechte Band

Auf Druck der Gemeinde will Ruhpoldinger Discobetreiber die Hooligangruppe "Kategorie C " nun wieder ausladen

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Von Thomas Thois

Ruhpolding/Traunstein. Mit vereinten Kräften haben die Ruhpoldinger ein für kommenden Samstag geplantes Konzert einer rechtsradikalen Band in der Diskothek "Fire & Ice" verhindert. Nachdem Bürgermeister Claus Pichler und mehrere Gemeinderäte den Disco-Betreiber Sascha Theis eindringlich gebeten haben, die Bremer Hooliganband "Kategorie C – Hungrige Wölfe" wieder auszuladen, sagte dieser gestern Nachmittag gegenüber Ihrer Lokalzeitung: "Das Konzert wird nun doch nicht stattfinden, ich werde der Band absagen."

Ob man schon Entwarnung geben kann, ist aber fraglich, denn der Ruhpoldinger Polizeichef Manfred Kriechbaumer weiß, dass sich die rechte Szene bei Widerstand oft auch kurzfristig andere geheime Veranstaltungsorte sucht.

Dass sich Sascha Theis die Band "Kategorie C" für kommenden Samstag ins "Fire and Ice" (ehemals "Big Easy" und "Klause") eingeladen hatte, war trotz des Bemühens der rechten Szene, solche Konzerte möglichst geheim zu halten, an die Öffentlichkeit gelangt. Und die reagierte besorgt, verängstigt und empört.

Gemeinderäte, Touristiker und Bürgermeister ergriffen die Initiative, erkundigten sich über die Band und deren Zielgruppe, über die Erfahrungen in anderen Orten, die von ähnlichen Rechtsrock-Gruppierungen heimgesucht wurden, etwa Halsbach zu Zeiten des Gastwirts Gruber. Das Problem: Sascha Theis war – und ist immer noch – der Meinung, "dass es eine ganz normale Musikband ist, so ähnlich wie Rammstein oder die Böhsen Onkelz", und dass alles dramatisiert werde. "Viele Leute in Ruhpolding haben mich gebeten, diese Band einzuladen, weil sie sie sehen wollen."

Der "Fire and Ice"-Betreiber betonte aber gestern Nachmittag, dass er nun dem Wunsch des Bürgermeisters entsprechen werde, die Band wieder auszuladen, "weil die Gefahr besteht, dass es zu Gegendemonstrationen und Eskalationen kommt – und das ist dann auch nicht in meinem Sinne".

"Wir hoffen, dass er die Konzertabsage auch wirklich und wirksam durchzieht", sagte gestern Abend Ruhpoldings Bürgermeister Claus Pichler.

Rechte Bands verfolgen oft die Taktik, Hallen oder Säle unter Vorspiegelung falscher Tatsachen anzumieten, etwa durch ein nettes junges Pärchen, das Räumlichkeiten für eine Verlobungs- oder Geburtstagsfeier mit Band sucht. Oft sind dann die Vermieter überrascht, dass Glatzköpfe mit "White Power"-Shirts anreisen und aus dem Saal "Juda verrecke" schallt. Im Fall Ruhpolding war dies anders, da konnte der Kneipier durchaus wissen, wer da am 22. Mai im Anmarsch sein würde: "Kategorie C – Hungrige Wölfe" bewegen sich seit ihrer Gründung 1997 zwischen der Hooligan- und Neonaziszene. Die Lieder der Band, deren Namen auf die Polizeibezeichnung für gewaltbereite Fußballfans zurückgeht, drehen sich um die "3. Halbzeit", Alkoholexzesse und Männerfreundschaften, sind zum Teil aber auch unverblümt rassistisch. Sänger Hannes Ostendorf war, wie die Berliner "taz" und andere Zeitungen berichten, 1991 an einem Brandanschlag auf eine Flüchtlingsunterkunft in Bremen beteiligt. Regelmäßig trat die Band mit anderen Rechtsrockgruppen bei Szene-Events auf. Mittlerweile ist die Band zum Teil neu formiert. Dass ein Teil der Musiker als gewaltverherrlichend und unter Rechtsextremisten beliebt eingestuft wird, haben Verfassungsschutzsprecher etwa in Brandenburg oder Niedersachsen bestätigt.

Gestern Vormittag, als die Konzertabsage durch den unter Druck geratenen Veranstalter noch nicht bekannt war, hat die Redaktion Roman Schneider, Pressesprecher am Landratsamt Traunstein, befragt: Eine Rechtsgrundlage, das Konzert im Vorfeld zu verbieten, gebe es nicht, denn laut Landesstraf- und Verordnungsgesetz ist die Veranstaltung nur anzeige-, aber nicht genehmigungspflichtig. "Das wäre sie nur bei 1000 Besuchern oder mehr." Umso wichtiger sei es, dass man hier den Schulterschluss zwischen Gemeinde, Landratsamt und Polizei gemacht habe, um im Rahmen der rechtsstaatlichen Möglichkeiten zumindest sicherzustellen, "dass die Veranstaltung in geordneten Bahnen verläuft, es zu keinen Gewaltaufrufen kommt, der Rechtsstaat nicht verunglimpft, Bevölkerungsgruppen nicht diskriminiert oder Nazi-Verherrlichung betrieben wird." Die Veranstalter seien ihrer Anzeigepflicht nachgekommen, dadurch hätten Behörden und Polizei die Möglichkeiten, ähnlich wie bei NPDDemonstrationen, entsprechende Vorbereitungen zu treffen.

"Und wir sind vorbereitet", versprach gestern der Ruhpoldinger Polizeichef Manfred Kriechbaumer, der betont, dass Beamte auf jeden Fall einschreiten müssten, wenn Leute den Hitler-Gruß zeigen oder NaziParolen rufen. Wobei es Kriechbaumers große Sorge gewesen wäre, dass die Veranstaltung Gegenaktionen aus dem linken Spektrum auslöst. "Erfahrungsgemäß kann es da leicht zu Provokationen kommen."



 
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