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Neuötting/Traunstein  |  17.06.2015  |  17:41 Uhr

Paradoxer "Notruf" beschert Flüchtling wohl Abschiebung

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Das Neuöttinger Asylbewerberheim: Ende August brannte es hier gleich mehrfach. − Foto: Kleiner

Das Neuöttinger Asylbewerberheim: Ende August brannte es hier gleich mehrfach. − Foto: Kleiner

Das Neuöttinger Asylbewerberheim: Ende August brannte es hier gleich mehrfach. − Foto: Kleiner


Entschuldigen wolle er sich, sagt der junge Afghane. Entschuldigen "beim deutschen Volk". Für alle Sorgen, die er bereitet habe, und auch für den Schaden. Er wolle doch nur "ein Leben in Freiheit" und "Bildung genießen", fügt er an und wirkt aufrichtig beschämt. Fast noch betretener als der Angeklagte aber blicken die weiteren Anwesenden im Sitzungssaal drein. Schließlich haben sie im Gegensatz zu ihm längst verstanden, dass aus den Wünschen nichts wird. Statt Freiheit und Bildung steht ihm die Abschiebung bevor – egal, wie die Richter entscheiden.

An der Schuld des jungen Mannes besteht kein Zweifel. Fünfmal hat er Ende August 2014 innerhalb einer Nacht in der Neuöttinger Asylbewerberunterkunft Feuer gelegt. Anfang Januar musste er sich deswegen bereits vor dem Mühldorfer Jugendschöffengericht verantworten. Drei Jahre Haft lautete das Urteil, was Verteidiger Erhard Frank dazu bewog, umgehend in Berufung zu gehen. Die zweite Instanz in Form des Traunsteiner Landgerichts war am Mittwoch an der Reihe. Sie musste sich nur noch mit dem Strafmaß beschäftigen, weil sich der Angeklagte zwischenzeitlich zu einem Geständnis durchgerungen hat.

Aufgrund dessen folgen die Richter zwar weitgehend dem Antrag von Verteidiger Frank und mildern das Strafmaß auf zwei Jahre und drei Monate ab. Bewährung aber kommt nicht mehr in Frage – wobei das Gericht dem Angeklagten damit vielleicht sogar einen Gefallen tut. Denn auch am Ende der Verhandlung ist diesem augenscheinlich nicht ganz klar, dass ihm aufgrund der Straftat wohl die Abschiebung nach Schweden bevorsteht – und von dort aus weiter nach Afghanistan. Die Strafe beschert ihm zwar einige zusätzliche Monate in Haft, doch immerhin hält es ihm seine gefürchtete Heimat noch einige Zeit vom Leib.

Er habe Angst gehabt, zurück nach Afghanistan geschickt zu werden, gibt der junge Mann noch als Motiv für seine Taten an – für den durchaus mitfühlenden Richter Weidmann, der von einem "Notruf in einer verzweifelten Situation" spricht, eine "paradoxe Logik". "Durch Begehung eines Verbrechens ein Bleiberecht bekommen", fragt er in Richtung des Angeklagten und gibt selbst die Antwort. "Das ist kurzfristig gedacht." − cklMehr dazu lesen Sie am Donnerstag, 18. Juni, im Alt-Neuöttinger/Burghauser Anzeiger.



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