• pnp.de
  • heimatsport.de


pnp.de 19.02.2018



Icon Breadcrumb Sie sind hier:
RSS-Feed abonnieren
  • Akuelle Nachrichten werden geladen...




PNP-Interview mit Diana Müll  |  12.10.2017  |  19:47 Uhr

Als Geisel in der "Landshut": "Da herrschte fünf Tage lang Todesangst"

Lesenswert (0) Lesenswert kommentierenKommentare Weitersagen Weitersagen drucken Drucken






Diana Müll war an Bord der Landshut, als die Maschine entführt wurde. − Foto: dpa

Diana Müll war an Bord der Landshut, als die Maschine entführt wurde. − Foto: dpa

Diana Müll war an Bord der Landshut, als die Maschine entführt wurde. − Foto: dpa


Frau Müll, vor vierzig Jahren wurde im Deutschen Herbst die Lufthansa-Maschine Landshut mit 86 Urlaubern und fünf Crewmitgliedern von palästinensischen Terroristen entführt, um RAF-Mitglieder aus der Haft freizupressen. Sie waren 19 Jahre alt und gehörten zu den Geiseln an Bord und entgingen nur knapp dem Tod. Dabei hätten Sie um ein Haar gar nicht im Flieger gesessen…Müll: Wir waren zu spät am Flughafen an diesem Morgen. Eigentlich war das Boarding der Landshut schon abgeschlossen. Die Tür der Maschine war eigens für uns noch einmal geöffnet worden. Wir waren eine Gruppe junger verrückter Frauen, die die Reise nach Mallorca gewonnen und uns dort erst kennengelernt hatten. Hätten wir die Maschine nur verpasst. Wir hatten wie die anderen Passagiere auch einen tollen Urlaub gehabt. Die Stimmung an Bord war gut und ausgelassen. Nach einer Stunde dann begann der blanke Horror. Da hat noch niemand geahnt, was uns noch für eine Odyssee bevorsteht.

Wie blicken Sie heute auf dieses Martyrium zurück?Müll: Da herrschte fünf Tage lang Todesangst. An Bord herrschte Angst. Es waren mehr als 50 Grad in der Maschine. Das kann man sich überhaupt nicht vorstellen, was sich da abgespielt hat. Wir waren im Kriegszustand. Wir hatten Durst und Hunger. Es gab einen bestialischen Gestank. Wir durften die Toiletten nicht benutzen. Die Terroristen hatten gedroht, zunächst die Maschine in Brand zu stecken und dann eine Handgranate hochgehen zu lassen. Der Gedanke, dass ich erst brennen muss und dann alles ganz schnell geht, war unerträglich. Da überlegte ich, wie ich es schaffen konnte, dass sie mich vorher erschießen.

Als die Maschine bei einer Zwischenlandung in Dubai nicht aufgetankt werden sollte, eskalierte die Situation und sie wären beinahe vom Terroristen Mahmud exekutiert worden… Müll: Die Stelle an meiner Schläfe, die kalte Berührung der Pistole spüre ich heute noch. Das werde ich nicht los. Keine Chance, das zu vergessen. Ich hatte Todesangst. Er hat gezählt. Bei neun hatte ich mit meinem Leben abgeschlossen. Bei zehn kam über Funk die Nachricht vom Tower: Stopp. Wir tanken auf! Dann wurde mir schwarz vor Augen. Fast wäre ich ohnmächtig und von der Flugzeugtür aus der Maschine gestürzt. Von da an weiß ich nicht mehr viel.

Bundeskanzler Helmut Schmidt war nicht bereit, mit den Terroristen zu verhandeln, wollte sich nicht erpressen lassen und inhaftierte RAF-Mitglieder nicht gegen den entführten Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer austauschen. Hatten Sie keine Hoffnung mehr auf eine Rettung? Müll: Natürlich haben wir uns Stich gelassen gefühlt. Wir hatten aber auch keine Informationen von außen. Der Anführer der Terroristen Mahmud hat uns immer wieder erklärt, dass sich kein Mensch dafür interessieren würde, was mit uns passiert und die Regierung uns opfern, alle Ultimaten verstreichen lassen würde.
Wenn sie das Tag für Tag hören, glauben sie in der Not irgendwann auch daran. Natürlich haben wir geahnt, dass die Regierung den Terroristen nicht nachgeben würde, und konnten es auch nachvollziehen. Aber gehofft hatten wir es schon.

Wie haben Sie dann den Sturm der Maschine und die Befreiung der Geiseln durch die GSG9 in Mogadischu erlebt? Müll: Davon habe ich gar nicht so viel mitbekommen. Ich war wie weggetreten vor Erschöpfung, stand unter Schock. Als ich zu mir kam, war die Maschine schon fast leer. Mein Schockzustand war so schlimm, dass ich dann noch in Mogadischu ins Krankenhaus musste.

Wie geht es Ihnen heute damit?Müll: Heute geht es mir gut. Ich bin wieder stabil. Gut, dass die Landshut jetzt nach Deutschland kommt und an die Ereignisse erinnert. Das ist ein Stück Zeitgeschichte. Ich habe noch einige Kontakte zu drei, vier anderen Landshut-Passagieren.

Haben Sie Unterstützung und Entschädigung von staatlicher Seite erhalten?Müll: Am Anfang war ich die Entführte. Da habe ich mich noch nicht als Opfer gefühlt. Später bin ich schwer krank geworden, habe sehr gelitten. Das war schlimm, fast schlimmer noch als die Entführung. Da fühlte man sich allein gelassen. Ich musste eine Therapie machen, diese selbst bezahlen und mich verschulden. Da gab es keine Unterstützung oder Entschädigung vom Staat. Die Bundesregierung hat damals nichts für uns gemacht. Die Kärntener Landesregierung, die nichts damit zu tun hatte, hat alle Landshut-Passagiere zu einem Skiurlaub eingeladen. Heute bin ich stabil und habe das gut verarbeitet, kann damit gut umgehen. Dabei hat mir auch mein Buch "Mogadischu – die Entführung der Landshut und die dramatisch Befreiung" geholfen, das ich mit Christine Bode gemeinsam geschrieben habe. Natürlich gibt es immer wieder Momente, da kommen einem die Tränen. Das ist auch gut so. Die Erinnerung bleibt.

Das Interview führte Andreas Herholz








Dokumenten Information
Copyright © heimatzeitung.de 2018
Dokument erstellt am
Letzte Änderung am










Anzeige





Die Bundespolizei hat am Münchner Flughafen verhindert, dass ein Mann mit seinen beiden Buben gegen den Willen der Mutter nach Tunesien ausreist. −Symbolfoto: Bundespolizei

Die Bundespolizei hat am Flughafen in München die Entführung zweier Kinder verhindert...



Die Behandlung von Kindern erfordert besondere Voraussetzungen, die Allgemeinkrankenhäuser in der Regel nicht erfüllen. Hier helfen Kinderkliniken weiter. − Foto: Symbolbild dpa/Patrick Pleul

Der 8. Februar 2018 wird den Eltern des 15 Monate alten Maximilian wohl ewig in Erinnerung bleiben...



Sieben Stunden verbrachte die damalige Gefängnispsychologin der JVA Straubing im April 2009 in der Gewalt eines Häftlings. Am Dienstag starb sie. −Symbolfoto: dpa

Fast neun Jahre ist das Gefängnis-Martyrium von Susanne Preusker her. Sieben Stunden lang befand...



Eine Frau will auch in Formularen statt "Kunde" künftig mit "Kundin" angesprochen werden - und hat die Sparkasse verklagt. −Symbolfoto: dpa

Kunde", "Kontoinhaber", "Einzahler", "Sparer" - eine Seniorin aus dem Saarland fühlt sich mit diesen...



Die Polizei in Landshut sucht nach zwei Männern, die im Stadtpark eine Frau überfallen haben −Symbolfoto: PNP

Eine Frau ist im Landshuter Stadtpark von zwei Männern überfallen worden. Das Duo forderte bei dem...





So jubelt ein Olympiasieger: Andreas Wellinger hat im südkoreanischen Pyeongchang Gold gewonnen. − Foto: dpa

Was für ein chaotisches Springen von der Normalschanze und welch ein Triumph für Andreas Wellinger...



Obenauf war Burghausen um Daniel Hofstetter im Test gegen Innsbruck. − Foto: Zucker

Am Samstag geht die Winterpause in der Regionalliga zu Ende, in Bayern höchster Amateurklasse rollt...



Musste erneut operiert werden: Bastian Grahovac − Foto: SV Wacker

Der SV Wacker Burghausen bestreitet am Freitag um 19.30 Uhr sein viertes Vorbereitungsspiel auf die...



Shakehands zur Begrüßung: Ralf Peiß, Sportlicher Leiter beim SV Erlbach, mit Nico Reitberger. Der 18-Jährige ist erst nächste Saison spielberechtigt. − Foto: Verein

Fußball-Landesligist SV Erlbach vermeldet zwei Neuzugänge. Einer davon ist allerdings erst für die...



Augen zu und durch: Erlbachs Tim Schwedes (vorne) im Kopfballduell mit Deniz Enes bei der 1:2-Niederlage von Erlbach im Test gegen Simbach. − Foto: Geiring

Die erste Niederlage im dritten Vorbereitungsspiel kassierte der Fußball-Landesligist SV Erlbach am...





Ihren Spielwarenladen mit Charme und Geschichte gibt Christl Ruhland schweren Herzens auf. Gerne hätte sie das Geschäft am Vormarkt an einen Nachfolger übergeben, aber diesen gibt es nicht. − Fotos: luh

In der Trostberger Altstadt haben im vergangenen Jahr zwei Cafés eröffnet, Geschäftsleute haben ihre...



Dass Alkohol legal, Cannabis aber verboten ist, hält Dr. Thomas Rieder, Facharzt für Suchterkrankungen am Bezirksklinikum Mainkofen, aus wissenschaftlicher Sicht für nicht nachvollziehbar. − Foto: Schweighofer

Wenn man mit Dr. Thomas Rieder, Leitender Medizinaldirektor, durch die Station C8 am Bezirksklinikum...



Wirtschaftsexperte Hans-Werner Sinn. − Foto: Michael Kappeler/dpa

Der frühere Chef des ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, sieht die EU auf dem Weg in eine Transferunion...



Am Stammsitz in Jandelsbrunn (Lkr. Freyung-Grafenau) investiert Knaus Tabbert gerade kräftig – links im Bild die neue Produktionshalle. − Foto: _Seidl

Die Knaus Tabbert GmbH wird als Börsenkandidat gehandelt, wie die PNP aus gut informierten Kreisen...



Die Polizei in Landshut sucht nach zwei Männern, die im Stadtpark eine Frau überfallen haben −Symbolfoto: PNP

Eine Frau ist im Landshuter Stadtpark von zwei Männern überfallen worden. Das Duo forderte bei dem...