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Altötting/Hart an der Alz  |  11.02.2017  |  16:00 Uhr

Die Folterkammer des "schönen Edi" nahe Altötting +++ Video

von Christoph Kleiner

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In Handschellen wird Edgar Groth 1957 ins Traunsteiner Schwurgericht geführt. Dort verurteilten ihn die Richter im Dezember zu fünf Jahren Zuchthaus. − Fotos: dpa

In Handschellen wird Edgar Groth 1957 ins Traunsteiner Schwurgericht geführt. Dort verurteilten ihn die Richter im Dezember zu fünf Jahren Zuchthaus. − Fotos: dpa

In Handschellen wird Edgar Groth 1957 ins Traunsteiner Schwurgericht geführt. Dort verurteilten ihn die Richter im Dezember zu fünf Jahren Zuchthaus. − Fotos: dpa


Ein elektrischer Stuhl, eine ausgeklügelte Geheimtür, ein perfider Plan: Vor 60 Jahren landete einer der seltsamsten Fälle der südostbayerischen Kriminalgeschichte vor Gericht. (Ein Video finden Sie am Ende des Artikels)

War alles nur ein schlechter Scherz? Oder wollte Edgar Groth tatsächlich vermögende Leute entführen, sie dann in seinem Keller foltern und schließlich töten? 60 Jahre nach dem Urteilsspruch in einem der ungewöhnlichsten Kriminalfälle Ostbayerns ist die Frage immer noch nicht vollends beantwortet.

Der Fall der Folterkammer von Hart an der Alz nahe Altötting hätte das Zeug für ein Filmdrehbuch. Tatsächlich interessierten sich 1957, als der Prozess gegen Edgar Groth und seine vermeintlichen Helfer begann, selbst Fernsehsender aus dem Ausland für "den schönen Edi", wie er genannt wurde, und seine Geschichte. Im April 1955 war der damals knapp 40-Jährige in Landshut festgenommen worden, eigentlich wegen einer harmlosen Sache: Er und seine Freundin hatten verbotenerweise versucht, Buntmetall zu verkaufen. Die beiden wurden zur Kripo gebracht. Was Groths Freundin dort berichtete, verschlug den Beamten die Sprache.

Anders als die Mitangeklagten hatte Groth kein Problem mit dem medialen Interesse. Im Gegenteil: Eigenen Aussagen zufolge hatte er die Folterkammer samt elektrischem Stuhl (r.) nur der Aufmerksamkeit halber gebaut.

Anders als die Mitangeklagten hatte Groth kein Problem mit dem medialen Interesse. Im Gegenteil: Eigenen Aussagen zufolge hatte er die Folterkammer samt elektrischem Stuhl (r.) nur der Aufmerksamkeit halber gebaut.

Anders als die Mitangeklagten hatte Groth kein Problem mit dem medialen Interesse. Im Gegenteil: Eigenen Aussagen zufolge hatte er die Folterkammer samt elektrischem Stuhl (r.) nur der Aufmerksamkeit halber gebaut.


Von einem Keller in Hart an der Alz erzählte die 29-jährige Altöttingerin den Polizisten, von einem Raum, in dem "was Fürchterliches drin ist". In zwei feuchten Kellerräumen des Anwesens Hartl stießen sie auf ein wahres Folterinstrumentarium, darunter einen selbst gebauten und als aufklappbare Kiste gestalteten elektrischen Stuhl. Konstruiert war dieser so, dass Opfer an Händen und Füßen angekettet und der Kopf mit einer weiteren Kette nach hinten gezogen werden konnten. Per Fußhebel wurden die Ketten unter Strom gesetzt. Zusätzliche Qualen sollte eine Heizsonne unterhalb des Stuhls bereiten.

Die Freundin, eine attraktive Haushaltsgehilfin, hätte den Lockvogel spielen und vermögende Männer nach Hart locken sollen. Dort wollte Groth ihnen dann unter Folter Geld abpressen. Hätten sie gezahlt, wären sie anschließend getötet worden. So sah es zumindest der Staatsanwalt am Ende der Ermittlungen. Konkrete Opfer soll Groth bereits im Kopf gehabt haben.

So kaltblütig und brutal die Aussagen der 29-Jährigen vor Gericht auch erschienen – bis heute ist unklar, was wirklich dran war an den Entführungs- und Mordplänen. Zwar räumte Edgar Groth unumwunden ein, all das und noch mehr gesagt zu haben, doch sei es ihm nur darum gegangen, dass die Kulisse möglichst echt rüberkommt. Er habe nur einen Roman oder einen Film im Auge gehabt – und weil "heutzutage Reklame alles ist", habe er eben den Keller gebaut und damit die Presse auf sich aufmerksam machen wollen. Selbst der psychiatrische Gutachter musste einräumen, dass es durchaus möglich sei, dass der 40-Jährige zwar "die Stelle des Verbrechens bis zur letzten Perfektion" hergestellt habe, es dann aber gar nicht habe begehen wollen. Schließlich sei es ihm nicht nur um den "realen Nutzen des Verbrechens" gegangen, sondern auch um "das Auffallen".

Letzteres hat Edgar Groth zweifelsohne geschafft. Vom Prozess berichteten Fernsehformate wie die Neue Deutsche Wochenschau, direkt hinter Beiträgen über Staatsbesuche und die internationale Politik. Am Ende aber zahlte Groth einen hohen Preis für die Aufmerksamkeit: Zwar blieben die Traunsteiner Richter unterhalb der Forderung des Staatsanwalts, doch sprachen sie den 40-Jährigen schuldig, versucht zu haben, andere zu Raub und räuberischer Erpressung zu überreden. Das Urteil lautete auf fünf Jahre Zuchthaus und Sicherungsverwahrung.

Mehr dazu lesen Sie am Samstag, 11. Februar, in Ihrer PNP (Online-Kiosk) oder hier als registrierter Abonnent.








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