• pnp.de
  • regioevent.de
  • heimatsport.de


pnp.de 22.06.2017



Icon Breadcrumb Sie sind hier:
RSS-Feed abonnieren
  • Akuelle Nachrichten werden geladen...




Altötting/Hart an der Alz  |  11.02.2017  |  16:00 Uhr

Die Folterkammer des "schönen Edi" nahe Altötting +++ Video

von Christoph Kleiner

Lesenswert (7) Lesenswert kommentierenKommentare Weitersagen Weitersagen drucken Drucken






In Handschellen wird Edgar Groth 1957 ins Traunsteiner Schwurgericht geführt. Dort verurteilten ihn die Richter im Dezember zu fünf Jahren Zuchthaus. − Fotos: dpa

In Handschellen wird Edgar Groth 1957 ins Traunsteiner Schwurgericht geführt. Dort verurteilten ihn die Richter im Dezember zu fünf Jahren Zuchthaus. − Fotos: dpa

In Handschellen wird Edgar Groth 1957 ins Traunsteiner Schwurgericht geführt. Dort verurteilten ihn die Richter im Dezember zu fünf Jahren Zuchthaus. − Fotos: dpa


Ein elektrischer Stuhl, eine ausgeklügelte Geheimtür, ein perfider Plan: Vor 60 Jahren landete einer der seltsamsten Fälle der südostbayerischen Kriminalgeschichte vor Gericht. (Ein Video finden Sie am Ende des Artikels)

War alles nur ein schlechter Scherz? Oder wollte Edgar Groth tatsächlich vermögende Leute entführen, sie dann in seinem Keller foltern und schließlich töten? 60 Jahre nach dem Urteilsspruch in einem der ungewöhnlichsten Kriminalfälle Ostbayerns ist die Frage immer noch nicht vollends beantwortet.

Der Fall der Folterkammer von Hart an der Alz nahe Altötting hätte das Zeug für ein Filmdrehbuch. Tatsächlich interessierten sich 1957, als der Prozess gegen Edgar Groth und seine vermeintlichen Helfer begann, selbst Fernsehsender aus dem Ausland für "den schönen Edi", wie er genannt wurde, und seine Geschichte. Im April 1955 war der damals knapp 40-Jährige in Landshut festgenommen worden, eigentlich wegen einer harmlosen Sache: Er und seine Freundin hatten verbotenerweise versucht, Buntmetall zu verkaufen. Die beiden wurden zur Kripo gebracht. Was Groths Freundin dort berichtete, verschlug den Beamten die Sprache.

Anders als die Mitangeklagten hatte Groth kein Problem mit dem medialen Interesse. Im Gegenteil: Eigenen Aussagen zufolge hatte er die Folterkammer samt elektrischem Stuhl (r.) nur der Aufmerksamkeit halber gebaut.

Anders als die Mitangeklagten hatte Groth kein Problem mit dem medialen Interesse. Im Gegenteil: Eigenen Aussagen zufolge hatte er die Folterkammer samt elektrischem Stuhl (r.) nur der Aufmerksamkeit halber gebaut.

Anders als die Mitangeklagten hatte Groth kein Problem mit dem medialen Interesse. Im Gegenteil: Eigenen Aussagen zufolge hatte er die Folterkammer samt elektrischem Stuhl (r.) nur der Aufmerksamkeit halber gebaut.


Von einem Keller in Hart an der Alz erzählte die 29-jährige Altöttingerin den Polizisten, von einem Raum, in dem "was Fürchterliches drin ist". In zwei feuchten Kellerräumen des Anwesens Hartl stießen sie auf ein wahres Folterinstrumentarium, darunter einen selbst gebauten und als aufklappbare Kiste gestalteten elektrischen Stuhl. Konstruiert war dieser so, dass Opfer an Händen und Füßen angekettet und der Kopf mit einer weiteren Kette nach hinten gezogen werden konnten. Per Fußhebel wurden die Ketten unter Strom gesetzt. Zusätzliche Qualen sollte eine Heizsonne unterhalb des Stuhls bereiten.

Die Freundin, eine attraktive Haushaltsgehilfin, hätte den Lockvogel spielen und vermögende Männer nach Hart locken sollen. Dort wollte Groth ihnen dann unter Folter Geld abpressen. Hätten sie gezahlt, wären sie anschließend getötet worden. So sah es zumindest der Staatsanwalt am Ende der Ermittlungen. Konkrete Opfer soll Groth bereits im Kopf gehabt haben.

So kaltblütig und brutal die Aussagen der 29-Jährigen vor Gericht auch erschienen – bis heute ist unklar, was wirklich dran war an den Entführungs- und Mordplänen. Zwar räumte Edgar Groth unumwunden ein, all das und noch mehr gesagt zu haben, doch sei es ihm nur darum gegangen, dass die Kulisse möglichst echt rüberkommt. Er habe nur einen Roman oder einen Film im Auge gehabt – und weil "heutzutage Reklame alles ist", habe er eben den Keller gebaut und damit die Presse auf sich aufmerksam machen wollen. Selbst der psychiatrische Gutachter musste einräumen, dass es durchaus möglich sei, dass der 40-Jährige zwar "die Stelle des Verbrechens bis zur letzten Perfektion" hergestellt habe, es dann aber gar nicht habe begehen wollen. Schließlich sei es ihm nicht nur um den "realen Nutzen des Verbrechens" gegangen, sondern auch um "das Auffallen".

Letzteres hat Edgar Groth zweifelsohne geschafft. Vom Prozess berichteten Fernsehformate wie die Neue Deutsche Wochenschau, direkt hinter Beiträgen über Staatsbesuche und die internationale Politik. Am Ende aber zahlte Groth einen hohen Preis für die Aufmerksamkeit: Zwar blieben die Traunsteiner Richter unterhalb der Forderung des Staatsanwalts, doch sprachen sie den 40-Jährigen schuldig, versucht zu haben, andere zu Raub und räuberischer Erpressung zu überreden. Das Urteil lautete auf fünf Jahre Zuchthaus und Sicherungsverwahrung.

Mehr dazu lesen Sie am Samstag, 11. Februar, in Ihrer PNP (Online-Kiosk) oder hier als registrierter Abonnent.








Dokumenten Information
Copyright © heimatzeitung.de 2017
Dokument erstellt am
Letzte Änderung am










Anzeige











Symbolfoto: Jäger

Nachdem sie ihre Schwiegermutter in Penzberg (Landkreis Weilheim-Schongau) mit einem Messer schwer...



Belehrung durch die Polizei: Walter Kohl und zwei Enkelkinder vor der geschlossenen Tür in Oggersheim. Gegen den Sohn des verstorbenen Altkanzlers besteht ein Hausverbot. − Foto: Roessler/dpa

Der Streit zwischen der Witwe des verstorbenen Altkanzlers Helmut Kohl, Maike Kohl-Richter...



− Foto: Jungbauernschaft

Auch die zwanzigjährige Felicia aus dem niederbayerischen Landkreis Deggendorf ist mit dabei...



Die Polizei sucht nach der 14-jährigen Chantal. − Foto: Polizei

Seit Montag, 19.06.2017, 17.20 Uhr, wird aus dem Therapeutischen Zentrum Mädchenheim Gauting...



Bayerns Beamte bekommen mehr Geld. −Symbolbild: dpa

Gute Nachrichten für Bayerns Beamte: Die Staatsbediensteten im Freistaat erhalten mehr Geld...





Die Fronleichnamsprozession. Symbolfoto: Marc Müller/dpa

Als "kurios" betitelte das Polizeipräsidium Oberbayern Süd einen Vorfall am Feiertag...



Rainhard Fendrich will sich auch in Zukunft einmischen. Wie sehr, das entscheidet nicht er, sondern richtet sich danach, wie sich die Gesellschaft entwickelt, sagt er. − Foto: Agentur

Die österreichische FPÖ hat Rainhard Fendrichs größten Hit "I Am From Austria" für ihren rechten...



Er selbst schweigt zu seiner Zukunft: Cristiano Ronaldo. − Foto: dpa

Es war das Gerücht des Wochenendes. Cristiano Ronaldo (32) könnte zum FC Bayern wechseln...



Ivana Ljevsic-Brka bei einer Ultraschalluntersuchung. Die Assistenzärztin für Neurologie hat 2015 ihr Heimatland Bosnien verlassen, um am Klinikum Deggendorf zu arbeiten. Ohne Ärzte wie sie könnten die Krankenhäuser in der Region ihren Betrieb nicht aufrechterhalten. − Foto: Binder

Dieses verflixte Bairisch. Deutsch hatte Ivana Ljevsic-Brka gelernt, sieben Monate lang, zu Hause...



− Foto: dpa/Symbolfoto

Ein 38 Jahre alter Fußgänger ist bei einem illegalen Autorennen in Mönchengladbach getötet worden...





Bayerns Beamte bekommen mehr Geld. −Symbolbild: dpa

Gute Nachrichten für Bayerns Beamte: Die Staatsbediensteten im Freistaat erhalten mehr Geld...



Die Fronleichnamsprozession. Symbolfoto: Marc Müller/dpa

Als "kurios" betitelte das Polizeipräsidium Oberbayern Süd einen Vorfall am Feiertag...



Mit einem Fahrrad war der 20-Jährige auf der Autobahn unterwegs. −Symbolbild: pnp

Aufregung herrschte am Freitagnachmittag im dichten Urlaubsverkehr auf der A8...



Mehrere Burghauser haben sich darüber beschwert, dass ihnen ungewollt Vodafone-Verträge unter falschem Vorwand angedreht wurden. − Foto: Symbolbild dpa

Mit unlauteren und offensichtlich auch kriminellen Methoden hat ein Werber älteren Burghauser...



Mit dem Fahrrad war der thailändische König Vajiralongkorn Mitte Juni in Erding unterwegs, als er von zwei Buben mit einer Spielzeugpistole beschossen wurde. − Foto: dpa Archiv

Schüsse zweier bayerischer Lausbuben mit einer Spielzeugpistole ausgerechnet auf den thailändischen...