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Traunreut  |  19.05.2017  |  19:00 Uhr

Nach Giftgas und Aufschwung: "Traunreut ist ein Segen für die Region"

von Herbert Reichgruber

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Ein Entgiftungstrupp in der Heeresmunitionsanstalt im April oder Mai 1946 vor einer Kampfstoffzelle, wie sie Hausschmid jetzt nachgebaut hat. Dahinter sind die fünf weiteren, baugleichen Zellen zu sehen. Gut erkennbar sind auch die damalige Tarnung der Betongebäude und das Bahngleis.

Ein Entgiftungstrupp in der Heeresmunitionsanstalt im April oder Mai 1946 vor einer Kampfstoffzelle, wie sie Hausschmid jetzt nachgebaut hat. Dahinter sind die fünf weiteren, baugleichen Zellen zu sehen. Gut erkennbar sind auch die damalige Tarnung der Betongebäude und das Bahngleis.

Ein Entgiftungstrupp in der Heeresmunitionsanstalt im April oder Mai 1946 vor einer Kampfstoffzelle, wie sie Hausschmid jetzt nachgebaut hat. Dahinter sind die fünf weiteren, baugleichen Zellen zu sehen. Gut erkennbar sind auch die damalige Tarnung der Betongebäude und das Bahngleis.


Die Nachricht von den Plänen für ein Traunreuter Stadtmuseum haben Matthäus Hausschmid veranlasst, nochmals an die Ereignisse vor 80 Jahren zu denken. Damals standen auf dem heutigen Stadtgebiet nur Bäume, als auswärtige Arbeiter begannen, eine Giftgasfabrik aufzubauen und damit letztlich die Grundsteine für die heutige Stadt legten. Als Symbol für diese Anfangszeit fertigte Hausschmid vergangenes Jahr ein Modell einer Kampfstoffzelle, die er nun an die Stadt für das künftige Museum übergab.

"Wenn man so etwas mit 93 Jahren noch anfängt, muss man sich das gut überlegen, weil man ja nicht weiß, ob man es noch fertigstellen kann", erklärte Matthäus Hausschmid am Freitagmittag bei der Übergabe des Modells im Maßstab 1:87 im Rathaus. Der Altbürgermeister von Pierling und Traunreut hat sich trotz seines hohen Alters an die Arbeit gemacht und sie auch vollendet. Mit seinen inzwischen 94 Jahren konnte er sie stolz präsentieren.

Für ihn ist das Modell als Dank an die Stadt Traunreut gedacht, mit der er einst als Bürgermeister des inzwischen eingemeindeten Ortes Pierling immer gut zusammengearbeitet hatte. Bei der Übergabe betonte er: "Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie die Kampfstoffzellen gebaut worden sind." Er war damals als Zimmererlehrling immer wieder in den abgesperrten Bereich gekommen, um die Stundenzettel der dort beschäftigten Zimmererleute einzusammeln.

Original-Baupläne aus einem Gutachten zur Muna ermöglichten Matthäus Hausschmid den Bau des Modells, das er nun an Bürgermeister Klaus Ritter übergab. − Fotos: Hausschmid/hr

Original-Baupläne aus einem Gutachten zur Muna ermöglichten Matthäus Hausschmid den Bau des Modells, das er nun an Bürgermeister Klaus Ritter übergab. − Fotos: Hausschmid/hr

Original-Baupläne aus einem Gutachten zur Muna ermöglichten Matthäus Hausschmid den Bau des Modells, das er nun an Bürgermeister Klaus Ritter übergab. − Fotos: Hausschmid/hr


Damals, das war das Jahr 1938. In dieser Vorkriegszeit hatten mitten im Wald vor allem Arbeiter aus anderen Teilen des Landes angefangen, Bäume zu fällen und eine Heeresmunitionsanstalt aufzubauen. Die Bewohner der Region waren nicht informiert worden, was dort im Wald gebaut wird: "Wir hatten eine Diktatur und die haben nicht gefragt, ob sie bauen dürfen, die haben es einfach getan." In die Sperrzone habe sich niemand vorgewagt: "Wenn sie dich erwischt hätten, wärst du nach Dachau gekommen."

Der junge Matthäus Hausschmid konnte allerdings bei seinen genehmigten Kurzbesuchen auf dem abgesperrten Gelände unter anderem sehen, wie sechs Kampfstoffzellen entstanden sind: Darin war ein Betonbehälter mit einem Durchmesser von 19,50 Meter und sechs Meter Höhe, in dem bis zu 1100 Tonnen flüssiger Kampfstoff Lost (Senfgas) gelagert worden war. Von den Behältern waren Leitungen zu den Abfüllstationen verlegt worden. Dort arbeiteten im Krieg dann vor allem Frauen am Fließband: "Die Granaten wurden nicht in der Muna hergestellt, sondern angeliefert. Die Frauen mussten den Kopf abschrauben, das flüssige Giftgas einfüllen und dann die Granate wieder verschließen", so Hausschmid.

Hausschmid selbst war ab 1942 nicht mehr vor Ort, er musste als Soldat in Russland kämpfen, wurde 1944 auf einer finnischen Insel von Finnen gefangengenommen, an die Russen ausgeliefert und bis 1949 in Kriegsgefangenschaft. Der Heimatzeitung hat er berichtet, wie er seine Heimat nach der Rückkehr erlebte und warum er heute überzeugt ist: "Wenn man sieht, was danach hier entstanden ist, ist das ein Wunder. Traunreut ist ein Segen für die Region."

Mehr darüber lesen Sie in der Wochenendausgabe, 20/21. Mai, von Traunreuter Anzeiger und Trostberger Tagblatt.








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