22.01.2019

Krankschreibung für 9 Euro per WhatsApp: Kritik aus der Region


von Karin Seibold


Mit diesem Bild wirbt "AU-Schein" für seine Dienste. −Screenshot: pnp

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Haben Sie Fieber? Starke Schmerzen? Haben Sie in den letzten Monaten eine Tropenreise gemacht? Oder sind Sie gar schwanger? Ein Hamburger Unternehmen fragt seit der Woche vor Weihnachten per App via "AU-Schein.de" solche Gesundheitsfragen ab – und bietet nach der Beantwortung eine Krankschreibung wegen Erkältung über den Nachrichten-Dienst "WhatsApp" und per Post für neun Euro an. Deshalb wird jetzt bei bayerischen Ärzten und Krankenkassen-Vertretern Kritik laut.

Möglich macht die neue App die Lockerung des sogenannten Fernbehandlungsverbots vom zurückliegenden Jahr. Ob sie auch erlaubt ist, sei derzeit Gegenstand einer rechtlichen Prüfung, heißt es beim Bayerischen Hausärzteverband. Deshalb will sich der Vorsitzende des Verbandes, Dr. Markus Beier, zur Zeit auch nicht zu dem Thema äußern.

Der Passauer Hausarzt Wolfgang Gradel, stellvertretender Landesvorsitzender des Hartmannbundes und Delegierter zur Bayerischen Landesärztekammer, hat dazu aber eine klare Meinung: "Der Sinn der Lockerung des Fernbehandlungsverbots war sicher nicht, dass wir irgendwo jemanden sitzen haben, der Behandlungen ausführt oder Krankmeldungen per App ausstellt." Auch Dr. Stefan Putz, der stellvertretende Vorsitzende des Hausärzteverbandes für Niederbayern aus Iggensbach (Landkreis Deggendorf), ist entsetzt: "Das halte ich für äußerst unseriös", sagt er. "Wenn die Patienten wirklich für eine Krankmeldung Geld bezahlen, kann ich nur sagen: ,selber schuld‘", erklärt auch Dr. Harald Lang, Hausarzt aus Altötting.

Die AOK Bayern äußert sich zu dem neuen Online-Angebot ebenfalls eher kritisch. "Grundsätzlich stehen wir neuen digitalen Ansätzen im Gesundheitswesen offen gegenüber", teilt eine Pressesprecherin mit. Inwiefern eine solche Krankschreibung rechtlich anerkannt werden kann, können wir zum aktuellen Zeitpunkt auch nicht einschätzen."

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