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05.05.2010  |  00:00 Uhr

Blödelbande mit Tiefgang

Münchner Monaco Bagage rockte mit exotischen und traditionellen Klängen Traunreuter k1

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Traunreut (ag). Im Rahmen ihrer Live-Tournee 2010 enterte die vierköpfige Münchner Formierung Monaco Bagage die Bretter des k1, um mit herrlichhumorigen Anekdoten und musikalisch hochwertigen und abwechslungsreichen Kompositionen mitzureißen.

Frei nach ihrem selbst proklamierten Motto "Schwachsinn ist ein Unikum und die Zeit geht dabei rum" singt, tanzt, trommelt, trötet und witzelt die vierköpfige Tumult-Truppe was das Zeug hält. Und sie behalten recht. Denn die Zeit vergeht schneller als wie im Flug, Verschnaufpausen gibt es nicht – zum Glück. Denn was die vier Wahnsinnigen an diesem Abend alles aus dem Hut zaubern, ist abwechslungsreich, unkonventionell, durchgehend absolut amüsant und erfrischend.

Die musikalische Kompetenz und die geballte Ladung Humor und gute Laune zeigen sich schon beim Aufmarsch und der Vorstellung der einzelnen Akteure: Der Oberpfälzer Zigeunerkönig Andy Arnold, der "von Tuten und Blasen jede Ahnung hat", der quietschfidele Quietschfidler, verkappte Bluesrocker und André-Rieu-Doppelgänger Martin Deubels, die südländische Urmünchnerin und Kontrabassistin mit dem Stimmorgan einer Fahrradhupe Miene Costa, die "die Bühnen dieser Welt mit den Füßen tritt" und der Jungspund, der "gefallene Engel", der Ausnahmetrommler und ehemalige Hoffnungsträger des Wiener Knabenchors, Johann Bengen.

Hierarchisch geht es bei dieser Bagage nicht zu. Jedes einzelne Mitglied der begeisternd spielfreudigen Münchner Musikbande hat eine Menge zu bieten und ist dabei erfreulicherweise so ganz und gar frei von jeglichen Star-Allüren. Dabei hätten sie dazu alle Berechtigung. Ob derTeufelsgeiger Puppenklaviergenie Martin Deubels, der bei seinem so stilsicheren Ständchen inmitten des Publikums seine immense Virtuosität aufblitzen lässt, oder der Blechblasboss Andy Arnold, der seinem Instrumentarium ungeahnte Töne entlockt: Fähige Musiker sind sie alle, aber ohne es den Zuhörern im Saal des k1 aufs Auge zu drücken.

Die kindliche und ausgelassene Verliebtheit in die selbst hervorgebrachten Klänge schafft eine so sympathische Präsenz, dass man als Gast ein so vertrautes Gefühl bekommt und am liebsten mit auf die Bühne stürmen würde. Immer wieder suchen die vier Frohnaturen den Kontakt zum Publikum, rhythmische Klatschparts oder Mitsing-Passagen untermauern die hervorragende Stimmung und spätestens die zahlreichen teils sinnfreien, teils tiefsinnigen Anekdoten, mit denen zwischen den einzelnen Stücken die Atmosphäre aufgelockert wird, verleihen den vier Charismabolzen die von ihnen angestrebte Daseinsberechtigung als "missing link" zwischen Kabarett und Musik.

Fast scheint es, als wäre das Publikum nicht gewappnet gewesen für diese Fülle an Eindrücken und etlichen exotischen Klangkörpern und Einflüssen. Das Staunen und die Ungläubigkeit steht vielen der Besucher ins Gesicht geschrieben, oft ist man mit den Gedanken noch bei den Witzen und Geschichten der Bandenmitglieder oder sinniert über den einen oder anderen ernsteren Unterton, während schon die nächste fulminante frech-fröhliche Schöpfung die Bühne zum Beben bringt.

Die Geräusche, die Miene Costa ihrer zierlichen Kehle entlockt, ermöglichen ihr jederzeit ein zweites Standbein als Tierstimmenimitator und ihre temperamentvollen Tanzeinlagen strotzen geradezu vor Energie und Spaß. Ihr Stepplehrling und Rhythmusbeauftragter Johann Bengen beweist in einem etwazehnminütigen Solo, welch ungemeine Kreativität und Flexibilität er als Schlagzeuger beherrscht. Satte Grooves an seinem Set bringen auch den letzten Zuhörer zum Fußwippen und als er die Bühne verlässt, um in einem rasanten Rhythmusrausch die Wände und sogar die Hausmeisterleiter mit seinen Sticks bearbeitet, scheint dies sogar seine Bandkumpanen zu begeistern.

Der lehrreiche und literarisch anspruchsvolle Exkurs in die Entschlüsselung eines JodelSchlagers und dessen Abwandlung in opernhaftem Gewand zeugen von dem herrlich-ironischen Humor und der schauspielerischen Stärke der vier Musiker und Comedians in Personalunion. Diese Wandlungsfähigkeit lässt Miene Costa nach der Pause in einer erstklassigen Parodie einer abgehalfterten französischen Chansonette gipfeln und beweist hier auch Mut zur Hässlichkeit. Trampelig und mit einer Körperhaltung à la Glöckner von Notre Dame entert sie das Publikum und lässt viele der Zuhörer bei ihrem Vortrag vor Lachen in den Sesseln versinken.

Unerwartet und abrupt erscheint das durch und durch ernste Stück "Werdegang eines verlorenen Menschen". Diese Lesung von Saxophonist Andy Arnold, mit ruhigen ungewohnt sanften Tönen hinterlegt, berührt die Besucher und ist vielleicht gerade dadurch, dass es so mit dem restlichen Abendprogramm bricht, umso eindringlicher.

Generell wirkt die zweite Hälfte des Abends ernster, die Texte durchlaufen eine Mutation von Blödelei zu handfesten und sehr direkten kritischen Inhalten. Spaß und Unterhaltung kommen aber selbstverständlich nicht zu kurz – die Stimmung auf der Bühne ist bis zuletzt phänomenal. Als krönenden Abschluss entfesselt Martin Deubels seine Haarmähne, schaltet um auf amerikanischen Rockgott mit derbem Südstaatenslang und zweckentfremdet seine zierliche Geige zu waschechten Mick-Jagger-Moves zu einer E-Gitarre.

Nach diesem kreativitätsgeladenen und kurzweiligen Programm entlassen die fantastischen Vier ihre Besucher in die gewitterig-regnerische Weltuntergangsstimmung – aber selbst die kann an diesem Abend keinem mehr die Laune verderben.






 

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