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30.09.2010  |  16:00 Uhr

Altbairische Sprachinseln in Norditalien

Die Nachkommen mittelalterlicher bairscher Siedler bei Trient, Verona und Vicenza

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Das bekannteste deutschsprachige Gebiet in Italien ist Südtirol. Hingegen ist wenig bekannt, dass es weiter südlich im Trentino und in Venetien noch kleinere bairische Sprachinseln gibt, deren Bewohner ihre sprachlichen Wurzeln aus dem Mittelalter beziehen. Es handelt sich dabei um das Fersental östlich von Trient und die so genannten 7 und 13 cimbrischen Dörfer bei Verona und Vicenza. Aus seinen Tagebuchnotizen wissen wir, dass schon in der Mitte des 19. Jahrhunderts der bairische Sprachforscher Andreas Schmeller die Hochebene der 7 cimbrischen Dörfer bei Vicenza besuchte. Auch der Verfasser des bayerischen Wörterbuches, Prof. Dr. Anthony Rowley hat sich mit den Sprachinseln in Norditalien beschäftigt, hat er doch mit seiner Dissertation über die Sprache der Fersentaler promoviert.

Die Geschichte der Cimbern

Woher stammen diese Menschen? Die cimbrische Sage beginnt mit den Sätzen "De ünzern eltarn habent hortan kschöt, dass dar ünser Stam von zimbarn is von täuschen lentarn af an nort kömet in des bellische land, in zait vom krige, ba dar große stroach ist den gant übel - unsere Eltern haben stets erzählt, dass unser Stamm von Cimbern von deutschen Ländern im Norden in das welsche Land gekommen ist, in Kriegszeit, da der große Kampf ihnen übel ausgegangen ist."

Diese Sage führte die Sprachforscher ursprünglich zu der These, dass es sich bei den Bewohnern um Nachkommen der Cimbern und Teutonen handelt, die im Jahr 101 v. Ch. in das Römische Reich eingefallen waren. Heute weiß man, dass diese These nicht richtig ist. Aus einer von Schmeller entdeckten Urkunde des Klosters Benediktbeuern geht hervor, dass die 7 und 13 Gemeinden bereits vor tausend Jahren von Bayern und Tirolern besiedelt wurden. Während im Fersental die Bevölkerung im 14. Jahrhundert zusätzlich durch Einwanderer aus dem Tirolerischen überdeckt wurde, wie Rowley feststellen konnte. Dies erklärt auch den sprachlichen Unterschied der 7 und 13 Gemeinden mit ihren althochdeutschen Wurzeln gegenüber dem Fersental, wo linguistisch eine Verwandtschaft zum Mittelhochdeutschen, also der Sprache des Minnesängers Walter von der Vogelweide festzustellen ist.

Stirbt das Cimbrische aus?

Inzwischen sind im Fersental nur noch die Exklave Lusern und von den ursprünglich 7 Dörfer bei Vicenza nur noch die Gemeinde Roana und von den 13 Dörfern das heutige Dorf Lietzan (italienisch Giazza) übrig geblieben. Bei der Volksbefragung von 2001 haben sich in Lusern noch 2300 Menschen neben dem dort üblichen italienischen Dialekt zu ihrer alten bairischen Sprache bekannt. In Roana hingegen sprechen nur noch 50 Menschen den überlieferten Dialekt und in den 13 Dörfern, also in Giazza sind es noch eine Hand voll älterer Leute, deren Mundart, dort "tautsch", d. h. deutsch genannt wird.

Der sich in den letzten 50 Jahren dramatisch entwickelnde Rückgang des Cimbrischen ist vor allen auf die verkehrstechnisch verbesserten Anbindungen an die Täler und den Wegzug großer Teile der jungen Generation mangels Arbeitsplätzen zurückzuführen. Eine Tendenz, wie sie auch in anderen Regionen der Alpen anzutreffen ist.

Der Cimbernforscher Hugo Resch

Besonders verdient hat sich zu diesem Thema auch der verstorbene Landshuter Laienforscher Hugo Resch gemacht, der Mitte der 1950er Jahre im Auftrag des Landshuter Arbeitsamts in der Nähe von Verona unterwegs war, um italienische Gastarbeiter anzuwerben. Bei einem Ausflug kam er erst- mals in das Illasi-Tal und hörte im Biartshaus (Wirtshaus) von Ljetzan Einheimische Cimbrisch sprechen und stellte voller Begeisterung fest, dass dort in den Lessiner Bergen noch eine alte bayerische Sprache gesprochen wird. Dies war der Grundstein für seine lebenslange Begeisterung für die Cimbern. Viele Freundschaften dies- und jenseits der Alpen entstanden. Er bereiste die Region machte sich Notizen und nahm mit seinem Tonbandgerät Sprachproben auf, wurde Mitarbeiter der Redaktion Vita di Giazza, einen Zeitschrift, die später in "Terra Cimbra" umgenannt wurde. Sprachwissenschaftler aus Italien halfen ihm bei der wissenschaftlichen Auswertung von Volksliedern und Märchen. Der bayerische Rundfunk und die ARD brachten mit seiner Unterstützung Sendungen zu diesem Thema, um die Cimbern in breiteren Kreisen der Bevölkerung bekannt zu machen. Durch sein Engagement gewann er viele einflussreiche Menschen aus Bayern und der Region um Verona und trug so auch zur Städtepartnerschaft von München und Verona bei.

Papst Benedikt Mitglied

des Cimbernkuratoriums!

2009 feierte das durch seine Initiative entstandene Bayerische Cimbernkuratorium sein 40-jähriges Jubiläum, dessen Mitglied seit 1989 auch Papst Benedikt ist und das auch eine kleine Zeitschrift mit dem Namen "Cimbernland" herausgibt. In Zusammenarbeit mit den Universitäten in Padua, Mainz, Mailand und Wien wurde der Grundstein für ein großes Cimbrisches Wörterbuch gelegt, das die Arbeit von Umberto Macello erweitern soll. Inzwischen ist unter der Arbeit von Prof. Anthony Rowley eine Sammlung von 300 Leitzordnern mit je 80 Seiten entstanden, wie Christine FischerResch, Tochter des verdienstvollen Laienforschers anlässlich der Jubiläumsfeier berichten konnte, die im Kuratorium die Arbeit ihres Vaters weiterführt. Das Kuratorium setzt sich dafür ein, dass die wissenschaftlichen Arbeiten fortgeführt werden und die Zusammenarbeit mit den Institutionen Kuratorium Cimbricum Veronese, dem Kulturinstitut Roana und dem Dokumentarzentrum Lusern weiterhin konstruktiv bleibt und dass die politische Anerkennung und Förderung durch den italienischen Staat und die EU ausgebaut werden. Ein großes Anliegen ist auch, das die Kinder weiter zweisprachig aufwachsen und neben dem Italienischen weiter Cimbrisch lernen. Wolf Schmid

Informationen unter www.Cimbernland.de.






 

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