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01.05.2013  |  00:00 Uhr

Spatenstich für 80 neue Jobs

Offizieller Baubeginn für das Gewächshaus für Chiemgauer Tomaten aus Kirchweidach – Plantage auf 115 000 Quadratmetern Fläche

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Von Wolfgang Traup

Kirchweidach. Von einem Vorzeigeprojekt, einem bundesweit einmaligen Vorhaben und von einem Beispiel für Nachhaltigkeit war gestern beim Spatenstich für die Tomatenplantage in Edt bei Kirchweidach die Rede. Auf einer Fläche von 115 000 Quadratmetern soll dort ein Gewächshauskomplex entstehen, der rein mit Erdwärme geheizt wird. Die kommt aus der benachbarten Kirchweidacher Geothermiebohrung (siehe Interview Seite 38). Zwischen 80 und 85 Vollzeit-Arbeitsplätze verspricht Investor Josef Steiner aus dem oberösterreichischen Hochburg/Ach.

Die sollen die Chiemgauer Tomaten aus Kirchweidach anbauen und ernten. Gut vier Millionen Kilogramm Cocktail-Tomaten oder bis zu 6,6 Millionen Kilogramm klassische Rispentomaten sollen ab dem kommenden Jahr den Weg von Kirchweidach aus zu Verbrauchern in der Region finden.

Einer dieser Verbraucher will der Kirchweidacher Pfarrer Jakob Krowiak sein. Der erzählte, nachdem er der Baustelle den Segen erteilt hatte, von seiner Vision: dass er täglich auf seinem Frühstückstisch eine Kirchweidacher Tomate vorfinden werde.

Um diese Vision Wirklichkeit werden zu lassen, hat sich Josef Steiner aus Hochburg/Ach mit zwei Investoren aus der Region zusammengetan. Gemeinsam planen sie das Kirchweidacher Tomatenprojekt, für das gestern am späten Vormittag der symbolische erste Spatenstich stattfand, während im Hintergrund bereits schwere Baufahrzeuge dabei waren, die Fläche für den Bau der Gewächshäuser zu planieren.

"Alle reden von der Energiewende – wir machen sie", sagte Franz Obermayer, Vorsitzender des Fernwärmeausschusses der Gemeinde Kirchweidach und unmittelbarer Nachbar der in Bau befindlichen Anlage. Und hier zeige sich "dass auch ein kleines Dorf Dinge schaffen kann, die sonst nur große Städte in Angriff nehmen."

"Ein bundesweit einmaliges Projekt" sieht die Landtagsabgeordnete Ingrid Heckner (CSU) in der Kombination von Stromerzeugung aus Geothermie und der gleichzeitigen Nutzung der Restwärme. Deshalb könne man, sagte sie gestern, "durchaus von einem Kirchweidacher Modell sprechen", das hoffentlich beispielgebend sein werde. Dabei outete sie sich als begeisterte Toamten-Esserin; "Ich selbst bin ein Tomatenfan und freue mich, wenn ich heimische Tomaten essen kann." Sie lobte die Kirchweidacher, die von Anfang an dem Projekt Geothermie offen gegenübergestanden seien. Dabei dürfe aber nicht vergessen werden, dass es auch Skeptiker gebe. Und die Bedenken auch dieser Bürger müsse man ernst nehmen.

"Einen nahezu unendlichen Bodenschatz" nannte Geoenergie-Geschäftsführer Bernhard Gubo das heiße Wasser aus der Tiefe. Er freue sich, dass damit neben der Stromerzeugung aus der Geothermie auch die Abwärme sinnvoll genutzt werden könne.

Das betonte auch Kirchweidachs Bürgermeister Johann Krumbachner. Denn mit der Tomatenplantage rücke das Ziel, die Wärme aus dem Erdinneren als Fernwärme für das Dorf zu nutzen, "in greifbare Nähe". Durch die sich daraus ergebenden Synergieeffekte ließen sich beide Projekte wirtschaftlicher betreiben. Dazu habe die Gemeinde eine Gesellschaft gegründet, deren Geschäftsführer Geschäftsleiter Marcus Hansen ist. Deren Aufgabe sei es, die Plantage mit warmem Wasser zu versorgen und weiter die Fernwärme für das Dorf zu planen und zu betreiben.

Krumbachner lobte die wegweisenden Entscheidungen des Gemeinderates und die Geschlossenheit der Bürger, die voll hinter dem Geothermie-Projekt stünden. Er nannte den Tag des Spatenstiches "einen besonderen Tag für die Gemeinde." Damit werde auch deutlich, dass es mit der Geothermie weitergehe.

"Auf etwa 80 Jobs vor Ort" bezifferte Josef Steiner die Anzahl der Vollzeit-Arbeitsplätze, die in Kirchweidach mit der Tomatenplantage entstehen werden. Schon Ende diesen oder Anfang kommenden Jahres solle die Produktion beginnen, und die ersten Tomaten könnten bereits im März 2014 geerntet werden. Dabei lege er besonderen Wert auf die hohe Qualität der Ware. Außerdem erfolge die Produktion in Kirchweidach durch die Geothermie praktisch CO2-frei, da für das Heizen der Gewächshäuser keine zusätzliche Energie notwendig sei. Auch eine Bewässerung mit dem wertvollen Trinkwasser werde bei durchschnittlichen Wetterbedingungen nicht nötig, da das gesamte Regenwasser aufgefangen werde, um die Pflanzen zu bewässern. Damit bleibe die Wertschöpfung zu 100 Prozent vor Ort. Denn auch auf Chemie könne bei dieser Art der Produktion weitgehend verzichtet werden. Hummeln sollen die Bestäubung übernehmen, durch Nützlinge solle der Einsatz von Insektiziden überflüssig werden.

Da der Selbstversorgungsgrad mit Tomaten in Bayern unter acht Prozent liege, könne die gesamte Ernte aus Kirchweidach regional vermarktet werden, ist sich der Investor sicher. Dadurch würden die Tomaten auch im ausgereiften Zustand geerntet. Und das wirke sich besonders vorteilhaft auf den Geschmack aus. Dagegen würden Tomaten aus Spanien unter großem Energie- und Wasseraufwand produziert. Und um sie bei den langen Anfahrtswegen nach Mitteleuropa zum Verbraucher zu bringen, müssten die Früchte in einem frühreifen Zustand geerntet werden. Darunter würden Qualität und Geschmack leiden.

Steiner lobte die Aufgeschlossenheit in der Gemeinde Kirchweidach und im Landratsamt Altötting für das Projekt. Bereits Ende Mai sollen die Fundamente gebaut und Anfang Juli die Gewächshäuser dann in die Höhe wachsen. Wenn dann im November die Wärmelieferungen beginnen, könnten bereits Ende Dezember die ersten Pflanzen unter den Glasdächern heranwachsen. Gesetzt, gepflegt und geerntet werden die Früchte von etwa 80 Vollzeit-Kräften, die in der Hochsaison, wenn die Sonne für steigende Erträge sorgt, also zwischen Juli und September, durch etwa 20 Teilzeitkräfte unterstützt werden sollen.

Der 52-jährige Josef Steiner hat vor 25 Jahren in HochburgAch, gegenüber von Burghausen, mit der Produktion von Heidelbeeren begonnen. Mittlerweile gehört eine Baumschule zu dem Betrieb, den jetzt seine Brüder leiten. Denn Steiner will sich mit ganzer Kraft dem Kirchweidacher Tomatenprojekt widmen.






 

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