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31.01.2019  |  06:00 Uhr

Für ein Spiel: Ex-Wacker-Profi Reisinger übernimmt Uerdingen – bis "Effe" kommt?

von Alexander Augustin

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Stefan Effenberg ist weiter als Trainer bei Uerdingen im Gespräch – vorerst übernimmt aber der Niederbayer Stefan Reisinger (r.). −Foto: dpa/KFC

Stefan Effenberg ist weiter als Trainer bei Uerdingen im Gespräch – vorerst übernimmt aber der Niederbayer Stefan Reisinger (r.). −Foto: dpa/KFC

Stefan Effenberg ist weiter als Trainer bei Uerdingen im Gespräch – vorerst übernimmt aber der Niederbayer Stefan Reisinger (r.). −Foto: dpa/KFC


Bei Wacker Burghausen war er der Torjäger vom Dienst, jetzt soll er den Drittligisten KFC Uerdingen wieder in die Spur bringen: Stefan Reisinger (37). Der Essenbacher (Landkreis Landshut) übernimmt das Investoren-Team nach dem Rauswurf von Trainer Stefan Krämer für ein Spiel (Samstag, 14 Uhr, in Meppen). Zuvor hatte Reisinger als Co-Trainer beim KFC gearbeitet. Langfristig wird der Niederbayer aber nicht Trainer bleiben. Der Drittliga-Vierte hat bereits einen prominenten Krämer-Nachfolger im Visier: Stefan Effenberg.

Beim aufstrebenden, aber farblosen Drittligisten des russischen Investors Michail Ponomarew soll der Champions-League-Sieger eine zweite Chance als Trainer bekommen, nachdem er 2016 kurzzeitig den SC Paderborn und dort nach vier Monaten und großem Chaos rausgeschmissen wurde. Laut Medienberichten soll "Effe" bereits am Wochenende beim 0:3 gegen die Würzburger Kickers auf der Tribüne gesessen haben. Die zweite deftige Liga-Niederlage in Folge nach dem 0:4 in Unterhaching vor Weihnachten. Trainer Stefan Krämer (51) war nach der insgesamt achten Saisonpleite Geschichte. Klingt gewöhnlich, ist es aber nicht.

Als Aufsteiger aus der Regionalliga steht Uerdingen glänzend da – weil sie in 21 Spielen zwar eben achtmal verloren, dafür aber auch zehnmal gewonnen haben. In einer extrem engen 3. Liga reicht das für Platz vier, zwei Punkte hinter dem Aufstiegsrelegationsplatz. Investor und Präsident Ponomarew ist das nicht genug.

Wie der Investor sein Geld verdient, ist nebulös

Mit seinem Geld ist der einstige Bundesligist und Bayer-Werksklub von der Oberliga in den Profifußball marschiert. Die 3. Liga soll nur ein Zwischenstopp sein. Ponomarew will in die Bundesliga. Der 44-Jährige will Rendite – und kalkuliert dafür knallhart. Fußball sei für ihn "ein Geschäft", sagte er einmal. Doch wer ist dieser ominöse Investor?

Wie der Russe, der seit einigen Jahren in Düsseldorf lebt, zu so viel Geld gekommen ist, ist nebulös. Schon in jungen Jahren war Ponomarew in leitender Position beim russischen Minaralölunternehmen Tatneft beschäftigt. 2005 machte er sich selbstständig, gründete die Unternehmensberatung "Energy Consulting Europe", über deren Geschäftsmodell fast nichts bekannt ist.

Die Europazentrale des Unternehmens steht in Düsseldorf. Der letzte Jahresabschluss, der im Bundesanzeiger veröffentlicht wurde, ist von 2015, dem Jahr, in dem Ponomarev beim KFC einstieg. Nicht nur das wirkt komisch, da Unternehmen eigentlich zur jährlichen Veröffentlichung der Bilanz verpflichtet sind. Auch der Inhalt überrascht: Demnach weist die GmbH in diesem Jahr einen Bilanzverlust von knapp vier Millionen Euro aus. Eigenkapital: Null Euro.

Auch die Sport-Investments des gebürtigen Moskauers sind teils dubios. Beim englischen Fußball-Verein AFC Bournemouth war seine Firma Trikotsponsor. Ponomarew wurde später dort Direktor und stieg mit dem Klub 2017 in die Premier League auf. Kurz darauf war er weg. Bei der Düsseldorfer EG, Eishockey-Erstligist, sicherte sich 30 Prozent der Anteile, versprach den Einzug in die Champions League. Am Ende investierte er deutlich weniger als versprochen – und brachte den Verein damit in arge Nöte. 2016 gab er seine Anteile ab und sagte hinterher: "Die DEG ist der unprofitabelste Klub in Europa." Unwahrscheinlich, dass bei den Krefelder Pinguinen – dort ist er vor kurzem eingestiegen – mehr zu verdienen ist. Und beim KFC?

Auch da müssen die Profis schon mal etwas länger auf ihre Gehälter warten. Im Sommer wäre der Drittliga-Aufstieg fast gescheitert, weil der Verein eine Finanzreserve für die Lizenz zu spät hinterlegt hatte. Das Geld kommt öfter spät, aber dafür reichlich.

Krämer war erfolgreich – aber nicht schillernd

Acht Millionen Euro soll der Etat in dieser Saison betragen – weit überdurchschnittlich für die Liga. Kevin Großkreutz, Stefan Aigner, Maximilian Beister. Der Kader ist ebenso teuer wie prominent besetzt. Nur einer war nicht schillernd genug: Trainer Stefan Krämer.

"Wir hatten zuletzt leider zu oft unterschiedliche Vorstellungen und Sichtweisen", wird Ponomarew auf der Homepage des KFC zitiert. An sportlichen Gründen kann es ja nicht gelegen haben. In 39 Liga-Spielen als KFC-Trainer hat Krämer, vorher schon bei Arminia Bielefeld erfolgreich, 2,28 Punkte geholt. Eigentlich eine Fabel-Bilanz. Dem gebürtigen Mainzer, dessen Vorbild "der große Stoiker des Weltfußballs" Walerij Lobanowski ist, wird auch seine ruhige und besonnene Art zum Verhängnis. Ponomarew denkt größer, als Krämer es ist und sein will.

So führt nun die Spur zum extrovertierten Stefan Effenberg. Weder er noch der Verein haben sich bisher zum Gerücht geäußert. Aber es würde schon Sinn machen: Dem bisher wenig beachteten Verein aus Krefeld würde Champions-League-Sieger "Effe" schlagartig große Aufmerksamkeit bescheren.






 

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