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28.06.2019  |  08:00 Uhr

Profitum und Jugend-Pläne: Alles Neu bei Türkgücü – Zu diesen Clubs wechseln die Bayernliga-Meister

von Andreas Lakota,Jonas Kraus

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Jérôme Fayé (l.) spielt trotz einer starken Vorsaison nicht mehr für Türkgücü München. Stattdessen wechselt der Stürmer zum FC Töging, wo er in dieser Saison auch gegen Passau, Hauzenberg und Waldkirchen antritt. −Foto: Archiv Butzhammer

Jérôme Fayé (l.) spielt trotz einer starken Vorsaison nicht mehr für Türkgücü München. Stattdessen wechselt der Stürmer zum FC Töging, wo er in dieser Saison auch gegen Passau, Hauzenberg und Waldkirchen antritt. −Foto: Archiv Butzhammer

Jérôme Fayé (l.) spielt trotz einer starken Vorsaison nicht mehr für Türkgücü München. Stattdessen wechselt der Stürmer zum FC Töging, wo er in dieser Saison auch gegen Passau, Hauzenberg und Waldkirchen antritt. −Foto: Archiv Butzhammer


In der Bayernliga Meister, in der Regionalliga auf dem Abstellgleis. Das trifft für einen Großteil der Mannschaft von Türkgücü München zu. Mit Macht will der Verein, der ab sofort auch den Zusatz Ataspor aus seinem Namen weglässt, nach oben, mittelfristig soll es in die 2. Bundesliga gehen. Für diese ehrgeizigen Ziele tauscht Türkgücü fast seine ganze Mannschaft aus. Der am Mittwoch vom Drittligisten KFC Uerdingen verpflichtete Mario Erb war bereits der 20. Neuzugang. Mit Reiner Maurer ist zudem ein neuer Trainer im Amt. Kurz: Der vom Verein engagierte Kaderplaner Robert Hettich (44) hat den Münchnern ein komplett anderes Gesicht verpasst. Im Gegenzug heißt das aber auch: Ein Großteil der Spieler, die in der Bayernliga den Titel geholt haben, müssen gehen.

Lediglich Fabio Leutendecker (29), Yasin Yilmaz (30), Tosun Ünal (26) und Masaaki Takahara (23) bleiben. Alle anderen Aufsteiger werden den Verein verlassen. Sei es, weil Türkgücü nicht mehr mit ihnen plant oder der zeitliche Aufwand für die Spieler zu groß geworden wäre. Insgesamt haben die Münchner, die im ersten Spiel der neuen Regionalliga-Saison beim SV Schalding antreten, schon 14 Abgänge verkündet.

Beim ambitionierten Regionalliga-Aufsteiger wird sich künftig nicht nur sportlich einiges anders sein. Denn der Münchner Verein wird ab sofort auch unter einem anderen Namen auflaufen. Aus SV Türkgücü-Ataspor München wird Türkgücü München e.V. Auch das Vereinslogo wird ausgetauscht. Bei einer außerordentlichen Versammlung stimmten die Mitglieder jüngst auch dem Ausgliederungsplan des Vorstandes zu, die Herrenmannschaft wird in eine Kapitalgesellschaft überführt. Und: Der Vorstand wurde einstimmig ermächtigt, 99 Prozent der Geschäftsanteile an der Türkgücü München Fußball GmbH an die HK Erste Vermögensverwaltungs und Beratung GmbH mit Sitz in München zu veräußern. Der Vorstandsvorsitzende Hasan Kivran und seine beiden Vorstands-Kollegen, Taskin Akkay und Semih Yildirim, wurden von den Mitgliedern einstimmig für eine weitere Amtsperiode wieder gewählt. "Ein sehr wichtiger Schritt in der Weiterentwicklung des Vereins", nennt es Kivran. Zudem kündigt er an: "In den nächsten Jahren werden wir unser Augenmerk insbesondere der Jugend widmen, um unsere mittel- und langfristigen Ziele zu sichern. Die Qualität unserer Leistung in diesem Bereich wird darüber entscheiden, ob unser Erfolg ausbaubar und langfristiger Art sein wird."

Orhan Akkurt verlässt Türkgücü nach einem halben Jahr wieder und wechselt zum FC Ismaning. −Foto: Archiv Buchholz

Orhan Akkurt verlässt Türkgücü nach einem halben Jahr wieder und wechselt zum FC Ismaning. −Foto: Archiv Buchholz

Orhan Akkurt verlässt Türkgücü nach einem halben Jahr wieder und wechselt zum FC Ismaning. −Foto: Archiv Buchholz


Ob die Münchner mit ihrer komplett neu zusammengewürfelten Truppe Erfolg haben, muss sich erst zeigen, zumal die gesamten Strukturen im Verein erst auf Profitum umgestellt werden müssen. Vielleicht gibt sich Türkgücü beim Blick auf die neue Saison auch deshalb noch etwas defensiv: "Ziel ist das obere Tabellendrittel", sagte Robert Hettich kürzlich in der "Bild". Der frühere Pressesprecher des TSV 1860 München, der zwischenzeitlich auch für Wacker Burghausen tätig war, arbeitet seit Anfang November als Kaderplaner auf freiberuflicher Basis. Fest angestellt ist er als Spiel-Analyst beim TV-Sender Sky, bereitet dort neben der 2. Liga und Bundesliga mit Ex-Augsburg-Trainer Manuel Baum auch die Analysen von Eric Meijer für Champions-League-Sendungen vor. Hettich verfügt über beste Kontakte zu Spielern − und hat diese nun im Auftrag von Türkgücü spielen lassen. Mit einem 12:0 im Test gegen Bayernligist Pullach deutete die Maurer-Elf ihre Stärke bereits an.

Während die neue Mannschaft der Münchner derzeit im Trainingslager in Bad Gögging schwitz, haben viele Spieler der Bayernliga-Meisterelf bereits neue Clubs gefunden. Den Aderlass werden auch übrigens auch Passau, Waldkirchen und Hauzenberg mächtig zu spüren bekommen. Denn: Gleich mehrere Ex-Türkgücü-Kicker laufen künftig in der Landesliga Südost auf.

Gleich drei Spieler wechseln zum TSV Grünwald, dem dritten Gegner des 1. FC Passau in der Landesliga Südost. Und auch wenn die Abwehrspieler Marco Bonhauser (28), Markus Baki (25) und der Angreifer Luca Tschaidse (24) in der vergangenen Spielzeit nicht über den Status des Ergänzungsspielers hinauskamen, sollten sie den Tabellensechsten der Vorsaison nochmal ein Stück voranbringen.

Ebenfalls in der Landesliga greift der 32 Jahre alte Angreifer Jérôme Fayé an. Der Senegalese, der in der abgelaufenen Spielzeit in 29 Spielen elf Treffer erzielte, geht künftig in der Südost-Staffel für den FC Töging auf Torejagd und tritt am sechsten Spieltag beim TSV Waldkirchen an.

Gleich vier ehemalige Türkgücü-Akteure laufen künftig im Dress des Bayernligisten Pipinsried auf. Vor allem die Abwehr des Regionalliga-Absteigers dürfte sich so entscheidend stabilisieren, kommen doch mit Christoph Rech (26, letzte Saison 30 Einsätze), Stephan Thee (30, 30) und Lukas Odak (29, 28) gleich drei gestandene Verteidiger, die allesamt Erfahrungen in der Regionalliga oder sogar im Profifußball gesammelt haben. Darüber hinaus kommt auch noch der 27-jährige Stürmer Pablo Pigl (letzte Saison 29 Spiele und sieben Treffer) zum FCP, der in der Bayernliga nach Aussagen des Sportlichen Leiters Roman Plesche "ganz vorne mitspielen wird". Im Gegenzug wechselten übrigens die beiden Stürmer Kasim Rahibic (14 Tore) und Marian Knecht (neun Treffer) zu Türkgücü. In der Bayernliga Süd trifft die ambitionierte Pipinsrieder Mannschaft dann unter anderem auf den SV Kirchanschöring, die Spvgg Hankofen-Hailing und die beiden Aufsteiger SV Donaustauf und TSV Wasserburg.

Ebenfalls in der Bayernliga Süd geht Türkspor Augsburg an den Start. Auch der Aufsteiger tritt nächste Saison mit zwei ehemaligen Türkgücü-Spielern an. Mittelfeldspieler Sebastian Mitterhuber (31) war in der vergangen Saison 31 Mal für Türkgücü am Ball, Giovanni Goia (27) stand dagegen lediglich fünf Mal auf dem Platz. Beide sammelten aber vor ihrem Intermezzo in München bereits Regionalliga-Erfahrung.

Abwehrspieler Florian Mayer (27), der in der Aufstiegssaison immerhin 18 Mal das Türkgücü-Dress trug, geht ebenfalls in die Bayernliga Süd und schließt sich dem TSV Landsberg an, wo er Spielertrainer wird. Dort dürfte sich der Verteidiger dann Duelle mit Stürmer Orhan Akkurt liefern. Der 33-Jährige wechselte erst im Winter von Heimstetten zu Türkgücü und erzielte in acht Spielen noch vier Treffer. Nun schließt er sich dem FC Isaming an und versucht seine irre Statistik weiter aufzubessern. Unter anderem gelangen "Torhan" Akkurt bereits 144 Bayernliga-Treffer in 199 Spielen.

Gleich zwei Ligen nach unten geht es für Aldin Madera (27), der in der vergangenen Spielzeit nur zweimal auf dem Rasen stand, und Yakub Dora (27), der zwei Jahre lang für Türkgücü spielte und in der vergangenen Spielzeit immerhin 15 Mal aufgelaufen war. Beide wechseln zum Bezirksligisten FC Anadolu Bayern. Darüber hinaus legt Verteidiger Arbnor Segashi (24), in der vergangenen Saison Stammspieler, aus persönlichen Gründen eine Fußballpause ein.






 

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