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15.07.2019  |  08:00 Uhr

Haching-Präsident Schwabl vor dem Börsengang: "Gespannt wie vorm ersten Bundesligaspiel"

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Vorfreudig: Haching-Präsident Manfred Schwabl. −F.: Hübner/imago

Vorfreudig: Haching-Präsident Manfred Schwabl. −F.: Hübner/imago

Vorfreudig: Haching-Präsident Manfred Schwabl. −F.: Hübner/imago


Seit Montagmorgen ist die Spvgg Unterhaching an der Börse. Bis zu 11 Millionen Euro will der Drittligist damit generieren. Im Interview erklärt Präsident Manfred Schwabl, was er sich von dem ungewöhnlichen Schritt erhofft – und wieso er die 3. Liga für attraktiv wie nie hält.

Herr Schwabl, die Spvgg Unterhaching geht an die Börse. Das klingt erstmal skurril, zumal es fast 20 Jahre her ist, dass mit Dortmund der erste und seither letzte Verein diesen Schritt gewagt hat. Warum nun Haching?

Manfred Schwabl: Das Projekt Ausgliederung der Profiabteilung in eine Kapitalgesellschaft läuft ja nun seit drei Jahren (Ende 2018 vollzogen, d. Red.). Dann war die Frage: Wie geht es weiter, was kommt in Frage für Haching? Schulden machen, Fan-Anleihen, ein großer Investor oder eben das Konzept kleinteilig auf breite Schultern stellen. Das geht in der Regel nur über die Börse. Uns war klar, dass wir nicht mit Fremd-, sondern mit Eigenkapital arbeiten wollen. Da war der Börsengang schnell die favorisierte Lösung. Wir haben das prüfen lassen und sind zur Überzeugung gekommen, dass das von der Struktur her perfekt zu uns passt. Wir wollen den Verein mit Weitblick führen und breit aufstellen. Ich bin schon sehr gespannt. Es ist ein bisschen so, wie vor meinem ersten Bundesliga- oder Länderspiel.

Wie wird das Geld investiert?

Schwabl: Es wird ein Mix werden. Natürlich werden wir die Qualität der ersten Mannschaft erhöhen – in der Breite und in der Spitze. Damit steht und fällt alles. Ein nicht unerheblicher Teil fließt ins Nachwuchsleistungszentrum, da haben wir schon ein sehr gutes Fundament. Und die Stadionübernahme von der Gemeinde Unterhaching auf Erbbaurecht steht an, da müssen wir auch investieren. Kurz gesagt: ein guter Mix aus Steinen und Beinen.

Stichwort: Börsengang
Heute um 8 Uhr geht die Spvgg Unterhaching an die Münchner Börse. Bis 26. Juli können Anleger 954365 Aktien erwerben. Ein Wertpapier kostet 8,10 Euro. Ankerinvestoren haben bereits im Vorfeld Anteile im Wert von rund vier Millionen Euro gezeichnet, sodass am Ende rund 11 Millionen Euro generiert werden sollen. Präsident Schwabl selbst wird 16,7 Prozent der Anteile halten.

Im Fanlager wurde der Schritt weitgehend positiv aufgenommen. Aber es gibt auch Stimmen, die befürchten, dass sich Haching "verkauft". Was sagen Sie dazu?

Schwabl: Wir verkaufen uns ja eben gerade nicht, weil wir es kleinteilig machen. An wen sollen wir uns da verkaufen? Ein großer Investor kommt für uns nicht in Frage, weil ich der Meinung bin, dass das mit unserer 50+1-Regel nicht funktioniert. Ich kann nicht einen großen Investor reinnehmen und dann sagen: Du darfst aber nicht mitreden. Das hat für mich mit geschäftlichen Gepflogenheiten nichts zu tun.

War da der Nachbar 1860 München mit Hasan Ismaik ein abschreckendes Beispiel?

Schwabl: Ich schaue nicht auf andere Vereine, sondern überlege: Was passt zu uns? Für den einen Verein passt dies, für uns jenes. Ich will da auch gar nicht urteilen. Für uns ist der Schritt auf jeden Fall alternativlos. Was willst du unterhalb der 2. Liga? Lieber verkaufe ich kleinteilig an Anleger, die Lust haben, diesen Weg mit uns zu gehen, bevor ich Schulden mache oder mir einen großen Investor ins Boot hole. Ich muss mein Herz in die Hand nehmen, weil ich nicht weiß, wie lange die Verbände brauchen, bis sie in die Gänge kommen.

Sie kreiden die Schere zwischen 2. und 3. Liga an.

Schwabl: Ich rede da nicht nur für die 3. Liga. Man muss ja nur mal in die Amateurvereine schauen, wie es denen geht. Und die 3. Liga ist halt eine Profiliga mit der Ausstattung einer Amateurliga. Du musst dir aber ab der 3. Liga abwärts Gedanken machen. Wenn die Basis wegstirbt: Was willst du dann noch? Die kleinen Vereine können sich nicht mal mehr Bälle leisten, aber oben wissen sie nicht wohin mit ihrem Geld. Ich verstehe das nicht. Da nehme ich uns alle mit ins Boot – alle Vorstände, Vereine, DFL, DFB. Egal in welcher Branche: Wenn du auf die Basis nicht schaust, wird dir das irgendwann auf die Füße fallen. Aber anscheinend ist die Basis dem gesamten deutschen Fußball nur in der Theorie wichtig, in der Praxis sehe ich davon weit und breit nichts.

Lassen Sie uns noch kurz über die sportlichen Ziele der Spielvereinigung sprechen. Erklärtes Ziel ist der Aufstieg bis 2022. Was ist kommende Saison drin?

Schwabl: Wir sind gut beraten, nach der Achterbahnfahrt in der letzten Saison, komplett bodenständig ranzugehen. Das waren ja zwei extreme Ausschläge nach oben und unten. Wir haben in dieser Phase aber auch bewiesen, dass wir gegen den Markt schwimmen. Wir haben, glaube ich, in zwölf Spielen in der Rückrunde ein Tor geschossen. Irgendwann habe ich aufgehört zu zählen. (lacht) Das hätte normal kein Trainer überlebt. Aber uns hat das noch mehr zusammengeschweißt. Der ganze Verein ist daraus als Sieger hervorgegangen. Wenn ich mir die 3. Liga jetzt anschaue, ist das schon brutal. Die rückt sportlich nochmal näher an die 2. Liga ran. Da müssen wir auf dem Boden bleiben. Ziel ist erstmal die obere Tabellenhälfte. Aber die beiden Jahre darauf ist die Botschaft klar: Aufstieg.

Nun ist die 3. Liga in der kommenden Saison sehr stark besetzt – aber auch sehr bayerisch: Haching, Sechzig, Bayern II, Ingolstadt, Würzburg. Da dürfte die Vorfreude besonders groß sein.

Schwabl: Ja, auf jeden Fall. Das ist die attraktivste 3. Liga seit der Einführung 2008.

Auf welche Anleger die Spvgg Unterhaching setzt, wen Schwabl als Drittliga-Meister tippt und wie der Münchner Vorstadtklub Talente zu sich lockt, lesen Sie am Montag, 15. Juli, im Sportteil der Passauer Neuen Presse und Ihren Heimatausgaben.






 

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