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Regionalliga Bayern  |  29.12.2017  |  18:22 Uhr

Wacker Burghausen 2017– ein Fußballjahr im Zeichen von Trainer-Chaos und Misserfolgen

von Oliver Wagenknecht

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Patrick Mölzl ist schon nach seinem ersten Spiel bei Teilen der Fans unten durch. Am 7. April startet der kurz zuvor vom SV Kirchanschöring abgeworbene Trainer mit einer 1:3-Pleite in Buchbach – und muss sich hinterher am Zaun von Wacker-Ultras Beschimpfungen anhören. − Foto: Zucker

Patrick Mölzl ist schon nach seinem ersten Spiel bei Teilen der Fans unten durch. Am 7. April startet der kurz zuvor vom SV Kirchanschöring abgeworbene Trainer mit einer 1:3-Pleite in Buchbach – und muss sich hinterher am Zaun von Wacker-Ultras Beschimpfungen anhören. − Foto: Zucker

Patrick Mölzl ist schon nach seinem ersten Spiel bei Teilen der Fans unten durch. Am 7. April startet der kurz zuvor vom SV Kirchanschöring abgeworbene Trainer mit einer 1:3-Pleite in Buchbach – und muss sich hinterher am Zaun von Wacker-Ultras Beschimpfungen anhören. − Foto: Zucker


Im Jahr der Reamateurisierung geht beim SV Wacker Burghausen fußballmäßig so ziemlich alles schief, was schiefgehen kann. Ein Rückblick.

Es beginnt mit einem Knaller: Am Morgen des 3.März, Tag des ersten Punktspiels, wird Uwe Wolf gefeuert. Man hat dem Trainer die Pistole auf die Brust gesetzt: entweder sofort ein neuer Vertrag zu schlechteren Konditionen oder Rausschmiss. Wolf lässt sich nicht darauf ein – warum auch? Er hat ja einen gültigen Vertrag, der sich noch dazu um ein Jahr verlängern würde, wenn mindestens der 6. Platz erreicht wird. Und zu diesem Zeitpunkt ist man punktgleich Siebter.

Eine Streikdrohung der Spieler steht im Raum, die Vorstandschaft eilt hinzu und am Ende geht's doch zur Partie bei Schweinfurt 05. Unter dem bisherigen Co-Trainer Stanley König gewinnt Wacker dort 2:1. Wenige Tage später bei der Jahreshauptversammlung übergibt der bisherige Vorsitzende Dr. Christian Freyer die Amtsgeschäfte wunschgemäß an Dr. Thomas Frey, der sich anders als seine Vorgänger in Sachen Fußball aktiv einbringen will. Karl-Heinz Fenk, zu Zweitliga-Zeiten Torwarttrainer, kehrt in der neu geschaffenen Position eines Teammanagers zurück. Wenige Tage später gibt's beim ersten Heimspiel des Jahres (3:1 gegen Nürnberg II) Fan-Proteste. Tenor: "Vorstand raus!"

Stanley König (r.) betreut den SV Wacker nach dem Rausschmiss von Uwe Wolf im März sehr erfolgreich. Unter Mölzl muss er wieder ins zweite Glied zurück, nach der Saison wirft er das Handtuch. Ronald Schmidt (l.) wird vom Co- der "Ersten" zum Cheftrainer der U 19. − Foto: Butzhammer

Stanley König (r.) betreut den SV Wacker nach dem Rausschmiss von Uwe Wolf im März sehr erfolgreich. Unter Mölzl muss er wieder ins zweite Glied zurück, nach der Saison wirft er das Handtuch. Ronald Schmidt (l.) wird vom Co- der "Ersten" zum Cheftrainer der U 19. − Foto: Butzhammer

Stanley König (r.) betreut den SV Wacker nach dem Rausschmiss von Uwe Wolf im März sehr erfolgreich. Unter Mölzl muss er wieder ins zweite Glied zurück, nach der Saison wirft er das Handtuch. Ronald Schmidt (l.) wird vom Co- der "Ersten" zum Cheftrainer der U 19. − Foto: Butzhammer


Ende März, kurz nach dem 1:0-Sieg im Totopokal-Viertelfinale gegen den späteren Meister und Drittliga-Aufsteiger Unterhaching, der nächste Paukenschlag: Patrick Mölzl wird als neuer Trainer angekündigt, und das mehr oder weniger per sofort. Beim Bayernligisten SV Kirchanschöring, wo der Ex-Profi unter Vertrag steht, ist man ob der plötzlichen Abwerbung sauer. Mölzls Einstand bei Wacker am 7. April geht in die Binsen – 1:3-Pleite beim kleinen Nachbarn TSV Buchbach. Hinterher muss sich der Coach am Zaun von Ultras Beschimpfungen anhören.

Fast zeitgleich kündigt Kapitän Christoph Burkhard nach acht Jahren seinen Abschied aus Burghausen an. Die Verantwortlichen haben ihm keine Zukunftsperspektiven bieten können (oder wollen). Mit seinem neuen Verein, Aufsteiger FC Pipinsried, kommt es Mitte September in der Wacker-Arena zum Wiedersehen. Beim Überraschungs-2:2 ist "Burki" unter den Torschützen.

Beim Spiel am 1. Mai gegen Unterhaching (0:1) sagt Bürgermeister Hans Steindl in der Live-Übertragung bei Sport1 durch die Blume, was die Spatzen längst von den Dächern pfeifen: Ein schlechteres Abschneiden als Platz 6 ist im Sinne des Vereins, um sich eine Abfindung für Wolf zu sparen. Die Andeutung sorgt für Wirbel, zumal man noch gegen Mannschaften im Abstiegskampf ran muss. So kurz darauf beim FC IngolstadtII, wo Mölzls Team die Partie mit 0:6 förmlich abschenkt: Ein halbes Dutzend Etablierte werden geschont, drei U-19-Spieler debütieren in der Startelf. Man verliert auch noch gegen die Aufsteiger 1860 Rosenheim (0:1) und – mehr mit einer Jugendmannschaft – beim VfR Garching (0:4). Am Ende steht sportlich der 11.Platz; erst später nach Rückstufung von Vizemeister 1860 München II wird's offiziell Rang 10.

Kurz vor dem Saisonfinale fliegen neun Spieler nach Mallorca. Der fragwürdige Kurztrip ist noch von Wolf genehmigt, der Verein lässt ihn zu. Tage später verpatzt man das Totopokalfinale: 0:1 gegen Schweinfurt – negativer Höhepunkt eines Chaos-Halbjahres.

Dann wirft Stanley König das Handtuch: Er wolle nicht weiter unter Mölzl arbeiten, begründet er und trainiert lieber A-Klassist TuS Engelsberg. Ronald Schmidt, bis dahin ebenfalls Co-Trainer, übernimmt die U 19 von Mario Demmelbauer, der von da an nur noch das Nachwuchsleistungszentrum leitet. Mölzl holt – wie bereits erwartet – seinen früheren "Co" aus Kirchanschöring, Dominik Hausner, nach. Vereinsmanager Andreas Huber wird im Sommer zusätzlich Geschäftsführer der Fußball-GmbH.

In der aktuellen Saison sind die Leistungen schwankend. Das trotz Amateurbedingungen personell gut aufgestellte Team um Rückkehrer Christoph Buchner (zuletzt TuS Koblenz) und Top-Torjäger Sascha Marinkovic (von 1860 Rosenheim) startet in der Liga schwach und fliegt im Totopokal bei Bezirksligist TSV Dorfen raus (7:8 nach Elfmeterschießen). Man fängt sich, rutscht dann aber wieder ab. In der Herbstferien-Woche werden nacheinander drei Derbys verloren: 2:5 gegen Buchbach, 2:3 in Rosenheim und 1:2 bei Schalding-Heining. Mitte November kann man beim 2:0-Sieg gegen Absteiger 1860 München vor 8500 Fans Wiedergutmachung betreiben. Dennoch überwintert Mölzls Truppe nur auf Platz 11, mit Blick nach unten. 2017 – für den SV Wacker ein Jahr zum Vergessen.






 

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