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Biathlon  |  09.02.2018  |  09:43 Uhr

Johannes Kühn könnte selbst mit Rolle als Olympia-Tourist leben: "Bin sehr froh, überhaupt dabei zu sein"

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Johannes Kühn am Schießstand in Pyeongchang, dahinter am Hügel die olympischen Ringe. Schönes Winterwetter beim ersten Training: blauer Himmel, Sonnenschein, Temperaturen ein paar Grad unter Null. Dieses Bild vom Tüßlinger hat der Nationaltrainer der russischen Biathleten geschossen. − Foto: Ricco Groß

Johannes Kühn am Schießstand in Pyeongchang, dahinter am Hügel die olympischen Ringe. Schönes Winterwetter beim ersten Training: blauer Himmel, Sonnenschein, Temperaturen ein paar Grad unter Null. Dieses Bild vom Tüßlinger hat der Nationaltrainer der russischen Biathleten geschossen. − Foto: Ricco Groß

Johannes Kühn am Schießstand in Pyeongchang, dahinter am Hügel die olympischen Ringe. Schönes Winterwetter beim ersten Training: blauer Himmel, Sonnenschein, Temperaturen ein paar Grad unter Null. Dieses Bild vom Tüßlinger hat der Nationaltrainer der russischen Biathleten geschossen. − Foto: Ricco Groß


Seit Dienstag, als er mit dem deutschen Biathlon-Team von München nach Seoul geflogen ist, lebt Johannes Kühn ganz konkret den wohl größten Traum, den man als Sportler haben kann: einmal bei Olympia dabei sein. Für die Winterspiele in Pyeongchang – am Freitag ist offizielle Eröffnung – hat sich der 26-Jährige aus Tüßling Mitte Januar auf den allerletzten Drücker qualifizieren können, mit einem 5. Platz beim Massenstart-Rennen im italienischen Antholz. Es war zugleich sein bestes Ergebnis im Weltcup.

Und jetzt ist Kühn also in Südkorea – heimatsport.der hat ihn dort per E-Mail erreicht.

Hallo Johannes, was sind denn Ihre ersten Eindrücke von Land und Leuten?

Johannes Kühn: Wir sind am Dienstag hier angekommen. Bisher habe ich nur den Flughafen und das olympische Dorf gesehen, das im Wesentlichen aus Hochhäusern besteht. Auf der Fahrt hierher ging es durch meist hügeliges Land, in den Tälern gab es konzentrierte Wohngebiete, auch meistens Hochhäuser. Die Leute sind hier alle sehr freundlich und zuvorkommend. Die meisten sprechen gutes Englisch. Unterkunft und Essen sind in Ordnung, es geht uns also ganz gut bisher.

Blick aus dem Fenster: Im Vordergrund Hochhäuser im olympischen Dorf, im Hintergrund hügelige Landschaft. − F.: Johannes Kühn

Blick aus dem Fenster: Im Vordergrund Hochhäuser im olympischen Dorf, im Hintergrund hügelige Landschaft. − F.: Johannes Kühn

Blick aus dem Fenster: Im Vordergrund Hochhäuser im olympischen Dorf, im Hintergrund hügelige Landschaft. − F.: Johannes Kühn


Haben Sie die Sportanlagen und Wettkampfstrecken schon ausprobiert?

Kühn: Aus der Nähe habe ich bisher nur das Biathlon-Stadion gesehen, Langlauf und Skisprung sind aber ganz in der Nähe. Ja, wir haben schon das erste Training hinter uns. Die Strecken sind recht anspruchsvoll, mit einigen steilen Anstiegen. Sie gefallen mir aber sehr gut.

Gibt es merkliche Unterschiede zu den Wettkampfstätten, die Sie von Deutschland und Europa her kennen?

Kühn: Also, die Biathlon-Anlage selbst ist mit Europa durchaus vergleichbar. Für den Schießstand gibt es sowieso eine IBU-Norm (Biathlon-Weltverband, Anm. d. Red.), da gibt es also kaum Abweichungen. Stadiongebäude und Wachskabinen sind ähnlich wie an den bekannten Weltcup-Orten, das hat alles hohen Standard. Die Waffen werden in einer zentralen Waffenkammer gelagert, ähnlich wie bei den Weltcups in Russland.

Wie lief aus Ihrer Sicht die Vorbereitungswoche der deutschen Biathleten in Hochfilzen – ganz im Zeichen der Regeneration?

Kühn: Der Lehrgang war zweigeteilt. Die erste Hälfte war etwas lockerer, im zweiten Block gab es aber dann schon einige intensive und schnelle Einheiten. Insgesamt, denke ich, sind wir erholt – aber auch gut vorbereitet.

Gesundheitlich bei Ihnen und den DSV-Biathleten aktuell alles im grünen Bereich?

Kühn: Ja, mir geht es gut und ich hoffe, das bleibt so. Soweit ich weiß, sind auch alle anderen im Moment fit.

Wie ist denn das Wetter in Pyeongchang?

Kühn: Heute (am Donnerstag, Anm. d. Red.) hat es zirka minus sechs Grad und leichten Wind. Es ist zwar meist sonnig, aber die letzten Tage war es doch sehr kalt, so bis minus 20 Grad. Und mit dem ständigen Wind ist es schnell ungemütlich.

Unter den sechs deutschen Biathlon-Herren, die in Südkorea sind, haben Sie wohl eher den Status eines Ersatzmanns. Gilt da für Sie persönlich mehr denn je das olympische Motto "Dabei sein ist alles"?

Kühn: Naja, die Situation ist halt so, dass es nur vier Startplätze je Rennen gibt. Wir haben eine sehr starke Mannschaft und natürlich auch eine gewisse Stammbesetzung. Es kann also durchaus sein, dass es bei dem Motto bleibt.

Ganz realistisch: Wie schätzen Sie Ihre Chancen ein, tatsächlich einmal an den Start gehen zu dürfen?

Kühn: Das wird schwierig. Allerdings sind wir ja gerade erst angekommen und die Spiele dauern noch eine Weile. Da kann schon noch was passieren.

Falls es nicht klappt: Könnten Sie damit leben, am Ende womöglich nur "Olympia-Tourist" gewesen zu sein?

Kühn: Ich kenne die Situation und kann sicher damit leben. Vielleicht bin ich einer der stärksten Ersatzmänner. Klar, wenn ich keinen Start bekomme, wäre das schade, aber erstmal bin ich sehr froh, überhaupt dabei zu sein. Natürlich hoffe ich, laufen zu dürfen, das ist in jedem Fall das Ziel.

Spüren Sie eigentlich, dass das kommunistische Nordkorea mit dem unberechenbaren Diktator Kim Jong Un keine 100km entfernt ist – und belastet einen das?

Kühn: Bisher haben wir hier diesbezüglich noch gar nichts gemerkt. Es ist auch kein großes Thema unter den Sportlern. Da konzentrieren sich alle auf die anstehenden Wettkämpfe. Es sind auch so viele neue Eindrücke, dass man noch gar nicht groß zum Nachdenken kommt. Hier sind ja auch nordkoreanische Sportler dabei – ich selbst hab aber bisher noch keinen gesehen – und die Lage scheint aktuell glücklicherweise etwas weniger angespannt zu sein.

Was erwarten Sie sich persönlich von Ihren ersten Olympischen Spielen, auch über Biathlon hinaus?

Kühn: Ich wünsche mir schöne Spiele und hoffe, auch einige andere Wettbewerbe zu besuchen. Ich möchte möglichst viele Erfahrungen und Eindrücke mitnehmen. Das Wichtigste ist aber, gesund und einsatzbereit zu bleiben. Vielleicht kann ich dann ja doch eine Startnummer mit nach Hause nehmen ...

Wir in der Heimat drücken Ihnen dafür fest die Daumen. Alles Gute, Johannes!

Die Fragen stellte: Oliver Wagenknecht






 

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