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25.09.2017

Karlstein

Kraxeln für den seltenen Streifenfarn +++ Video

Wie einen großen Teppich ziehen die Bergwacht-Männer den Efeu von der Felswand. Er muss weichen, damit der kleine Dolomiten-Streifenfarn überleben kann. − Foto: Kerstin Kesselgruber
Wie einen großen Teppich ziehen die Bergwacht-Männer den Efeu von der Felswand. Er muss weichen, damit der kleine Dolomiten-Streifenfarn überleben kann. − Foto: Kerstin Kesselgruber

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Unscheinbar ist er, hängt als kleiner brauner Tupfen in der Wand, von unten kaum zu erkennen. Und doch ist der Dolomiten-Streifenfarn, der maximal so groß wie die Hand eines Erwachsenen wird, so wertvoll, dass die Bergwacht zu seiner Rettung anrückt. Der Pankrazfelsen in Karlstein ist deutschlandweit der einzige Standort. Damit der Farn dort überleben kann, hat das Landesamt für Umwelt am Freitag gemeinsam mit der Reichenhaller Bergwacht eine Artenhilfsmaßnahme gestartet. Ein Video sehen Sie am Ende des Artikels.

An langen Seilen lassen sich die Männer zu zweit an der rund 40 Meter hohen Wand herab, um den Fels von den pflanzlichen Konkurrenten des kleinen Farns zu befreien. Efeu, junge Bergahorne, Ebereschen und Felsenbirnen, die sich am Gestein ausgebreitet haben, müssen weichen, weil sie dem Streifenfarn Lebensraum und Licht rauben. Später soll ein Förster noch Bäume am Boden stutzen oder ganz fällen, die zu große Schatten werfen.

Normalerweise wächst der Dolomiten-Streifenfarn hauptsächlich in den nördlichen Dolomiten in Südtirol und im Trentino. Die Population bei Karlstein ist ein "nordöstlich völlig isolierter Vorposten", erklärt Biologe Karsten Horn, der sich seit rund 25 Jahren für ihren Erhalt einsetzt. "Dieses Vorkommen hat die Eiszeit überdauert, weil die nordöstlichsten Alpenteile damals nicht von Gletschern überdeckt waren." Zu kämpfen hat die seltene Pflanze aber nicht nur mit Eiszeiten und Konkurrenz am Fels, sondern auch mit gierigen Raritätensammlern. Laut Fritz Eberlein, Mitglied sowohl der Bergwacht als auch der Bayerischen Botanischen Gesellschaft, kommt es "oft genug" vor, dass Menschen das Vorkommen plündern und die Pflänzchen teuer weiterverkaufen. Weil Eberlein in der Nachbarschaft wohnt und oft in der Gegend ist, kennt er die einzelnen Jungpflanzen genau. Ihm fällt auf, wenn sie plötzlich fehlen. − kke

Karsten Horn erklärt den Streifenfarn (Video: Kerstin Kesselgruber):


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