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Bonn  |  07.12.2017  |  15:01 Uhr

Ändert der Papst das Vaterunser? Eine Zeile sorgt für Diskussionen

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Eine Gebetszeile des Vaterunser sorgt zurzeit für mächtig Wirbel. Der Papst plädiert indes für eine Neuübersetzung der Zeile. −Symbolfoto: dpa

Eine Gebetszeile des Vaterunser sorgt zurzeit für mächtig Wirbel. Der Papst plädiert indes für eine Neuübersetzung der Zeile. −Symbolfoto: dpa

Eine Gebetszeile des Vaterunser sorgt zurzeit für mächtig Wirbel. Der Papst plädiert indes für eine Neuübersetzung der Zeile. −Symbolfoto: dpa


Milliarden von Menschen kennen das Gebet, das nach einhelliger Meinung der Theologen höchstwahrscheinlich von Jesus selbst stammt. Nach den ersten beiden Worten heißt es im Deutschen das "Vaterunser", und es ist seit fast 2.000 Jahren fester Bestandteil des christlichen Gottesdienstes und der persönlichen Gebete vieler Menschen. Nun kommt aus Frankreich der Anstoß zu einer neuen Übersetzung des letzten Satzes im Vaterunser. Auch Papst Franziskus hat sich dafür ausgesprochen. Inzwischen fordern auch deutschsprachige Theologen eine Änderung, andere wie der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer warnen vor einer Abwandlung des uralten Textes. (Am Ende des Berichts finden Sie eine Umfrage zur Änderung des Vaterunser)

Worum geht es? Die letzte Bitte im Vaterunser lautet in deutschen Übersetzungen seit gut 500 Jahren: "Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen." Anders als die Bitte um das tägliche Brot war dieser Satz schon früher Gegenstand von Diskussionen. Kann es überhaupt sein, dass Gott als liebender Vater seine Kinder in Versuchung führt? Schon in den ersten Jahrhunderten empfanden Christen das als anstößig. Deshalb hat vermutlich der Autor des Matthäus-Evangeliums den abmildernden Zusatz "sondern erlöse uns von dem Bösen" angefügt, der im Lukas-Evangelium fehlt.

Im 20. Jahrhundert schlugen bekannte Theologen wie Joachim Gnilka eine verträglichere Übersetzung vor. Sie lautet: "Und lass uns nicht in Versuchung geraten." Ähnliche Anregungen kamen beispielsweise auch von dem jüdischen Religionsphilosophen Pinchas Lapide. Er argumentierte mit dem Verweis auf die mutmaßliche Formulierung im Aramäischen, also der Sprache, in der Jesus das Gebet gesprochen haben dürfte.

Papst Franziskus ist für die Neuübersetzung

Solchen Initiativen haben sich nun die katholischen Bischöfe in Frankreich angeschlossen und offiziell entschieden, dass ab dem 1. Adventssonntag dieses Jahres in französischen Kirchen gebetet werden soll: "Ne nous laisse pas entrer dans la tentation." Papst Franziskus persönlich hat jetzt in einem italienischen Fernsehinterview Stellung bezogen und sich dem theologischen Anliegen der Neuübersetzung angeschlossen.

Zur alten Übersetzung erklärte der Papst: "Ein Vater tut so etwas nicht. Wer dich in Versuchung führt, ist der Satan." Ob er damit auch eine neue Übersetzung im Italienischen, Spanischen und weiteren Sprachen gefordert hat, blieb zunächst unklar. Denn in all diesen Sprachversionen ist es Gott, der gebeten wird, den Menschen nicht in Versuchung zu führen.

Andere Theologen halten Änderungen für riskant

Andere Theologen wie Bischof Voderholzer halten Änderungen an der Übersetzung für riskant. Zum einen sehen sie die weltweite Einheitlichkeit der Gebete in katholischen Gottesdiensten gefährdet. Denn die wird unter anderem dadurch gewährleistet, dass sich in allen Ländern die Übersetzungen möglichst wortgetreu an der lateinischen Fassung auszurichten haben. Und die lautet nun mal in Übereinstimmung mit dem griechischen Urtext der Evangelien "et ne nos inducas in tentationem" (und führe uns nicht in Versuchung).

Zum anderen ist für Verfechter einer konservativen Theologie das zeitgemäße Auslegen von Worten Jesu eine Aufgabe der Predigt und der Seelsorge. Bei der Formulierung von Bibeltexten und Gebeten sollte sich die Interpretation zurückhalten, weil sonst die Ebenen der Übersetzung und der Auslegung in unzulässiger Weise vermischt würden. Da Papst Franziskus in Fragen der Übersetzung generell den Bischofskonferenzen vor Ort mehr Eigenständigkeit eingeräumt hat, ist jedoch zu erwarten, dass die Debatte um dieses Thema nach Frankreich bald auch andere Länder erfassen wird. − kna

Umfrage:






 

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