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pnp.de 24.04.2018



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Zerknitterte gold-glänzende Iso-Decken und Kaffeebecher liegen in der Regionalbahn verstreut.

Am Mittwochmorgen wird in Meerbusch-Osterath bei Krefeld das Ausmaß der Kollision zwischen einer Regionalbahn und einem Güterzug deutlich: Tonnenschwere Güterwaggons sind wie Spielzeug von den Gleisen gepurzelt. Der Triebwagen des Regionalzugs ist vom Aufprall zusammengestaucht. Bei dem Unfall werden laut Bundespolizei 50 Menschen verletzt, neun von ihnen schwer.

Mehr als 400 Rettungskräfte eilen an die Unfallstelle. Anwohner verteilen warme Getränke an die Helfer. Die Reisenden berichten von einem "großen Knall", der auf eine scharfe Notbremsung folgte. "Es hat sich angehört, als ob ein Haus explodiert", sagt Anwohner Rainer Boguslawski.

173 Menschen - darunter auch die Verletzten - müssen lange in dem Zug ausharren, bis die Feuerwehr endlich nach fast zwei Stunden die Türen öffnen und sie befreien kann: In der herabgerissenen Oberleitung lauert mit 15 000 Volt Hochspannung eine tödliche Gefahr, die erst gebannt werden muss.

Unterdessen geben die Unfallermittler bereits einen ersten Hinweis auf die Ursache des Unglücks: Der Regionalzug hätte halten müssen und den Gleisabschnitt nicht befahren dürfen, sagt ein Sprecher der Bundesstelle für Eisenbahn-Unfalluntersuchungen in Bonn der Deutschen Presse-Agentur. Einem Bericht des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) zufolge soll die Fahrdienstleitung dem Lokführer des Personenzugs über Zugfunk mündlich die Erlaubnis zur Weiterfahrt erteilt haben, obwohl sein Streckensignal auf Halt stand.

Der vor dem Personenzug fahrende Güterzug hat laut Untersuchungsstelle dagegen ordnungsgemäß gehalten und auf das Signal zur Einfahrt in den Bahnhof Meerbusch-Osterath gewartet. Dies sei aber keine Schuldzuweisung an den Lokführer der Regionalbahn, so der Sprecher. Noch ist nicht klar, ob die Signale an der Strecke richtig geschaltet waren. Waren sie falsch geschaltet, könnte es auch noch ein technischer Defekt oder ein Bedienungsfehler im Stellwerk gewesen sein.

Die Fahrtenschreiber beider Züge sind sichergestellt und ausgelesen worden. Auch in den Stellwerken wurden Informationen gesichert, der Bahnfunkverkehr aufgezeichnet. Bis zur endgültigen Klärung wird es dennoch etwas dauern.

Die Rettungskräfte loben den Lokführer. Der habe sich, obwohl selbst deutlich mitgenommen, um die Fahrgäste gekümmert und geholfen, das alles ruhig abgelaufen sei. Mit seiner Notbremsung habe er zudem Schlimmeres verhindert. "Wir hoffen, dass ihn keine Schuld trifft", sagt ein Sprecher des privaten Zugbetreibers National Express Rail.

Die Bundesstelle stufte die Kollision als schweren Unfall ein, bei der die Schadenshöhe von zwei Millionen Euro überschritten sein dürfte. Wie hoch genau der Schaden ist, wird erst nach der Bergung der Züge feststehen, wenn das Ausmaß der Schäden an der Bahnstrecke klar ist. Ein schwerer Kran begann mit der Bergung. Die Arbeiten sollen laut Bahn über Nacht fortgesetzt werden. Beide Züge waren nach Norden in Richtung Krefeld unterwegs, als sie am Dienstag gegen 19.30 Uhr auf offener Strecke kollidieren - der Regional-Express der Linie 7 und der leere Güterzug von DB Cargo, der in Rotterdam beladen werden sollte.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verfolgte die Lage am Dienstagabend, wie Regierungssprecher Steffen Seibert mitteilte. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) wünschte den Verletzten eine "baldige Genesung". NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) verschaffte sich am Mittwoch am Unfallort ein eigenes Bild.

Für die Pendler auf der Strecke ist nun Geduld gefragt: National Express Rail hat auf der Strecke einen Schienenersatzverkehr eingerichtet - auf unbestimmte Dauer.







 

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