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Schrobenhausen  |  17.05.2019  |  15:29 Uhr

Verkaufte Heilpraktikerin nutzloses "Wundermittel" gegen Krebs?

von Ute De Pascale

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Das "Geschäft mit dem Krebs" war am Mittwochabend Thema bei Stern TV. Der Beitrag löste einigen Wirbel aus. Die Heilpraktikerin ist aus Schrobenhausen. −Foto: Richter/De Pascale

Das "Geschäft mit dem Krebs" war am Mittwochabend Thema bei Stern TV. Der Beitrag löste einigen Wirbel aus. Die Heilpraktikerin ist aus Schrobenhausen. −Foto: Richter/De Pascale

Das "Geschäft mit dem Krebs" war am Mittwochabend Thema bei Stern TV. Der Beitrag löste einigen Wirbel aus. Die Heilpraktikerin ist aus Schrobenhausen. −Foto: Richter/De Pascale


Die Vorwürfe wiegen schwer. Die Rede ist von "Scharlatanerie", Experten fordern den Entzug der Heilerlaubnis und Schließung der Praxis: Das RTL-Magazin Stern TV hatte, wie der Donaukurier berichtet, in seiner jüngsten Ausgabe am Mittwoch unter dem Titel "Das Geschäft mit dem Krebs" von einer Krebspatientin berichtet, die auf Empfehlung einer Schrobenhausener Heilpraktikerin ihre Chemotherapie abbrach und sich auf ein Wundermittel verließ – mit dem Ergebnis, dass die Metastasen weiter wuchsen.

Im Kampf gegen den Speiseröhrenkrebs habe sich Sabine H. aus Osnabrück für das Mittel eines Ingolstädter Anbieter entschieden und durch das Absetzen der Chemotherapie "wertvolle Zeit verloren", heißt es in dem Beitrag. Gekauft hatte Sabine H. das Mittel wohl in einer Praxis in Schrobenhausen, deren Inhaberin 5900 Euro pro Packung verlangt habe; insgesamt steckte die Patientin 15 000 Euro in die Behandlung. Ein Stern TV-Experte bezifferte die Kosten für die Herstellung des Präparats, für das er keine Studien fand, mit wenigen Euro und zweifelte dessen Wirkung an. Ob sich die Heilpraktikerin bereichert hat, ist unklar, immerhin wäre denkbar, dass sie selbst einen hohen Preis für das Präparat bezahlt hat.

Aufnahmen mit versteckter Kamera

Das TV-Team machte in der Praxis Aufnahmen mit versteckter Kamera. Sie zeigen, wie die Heilpraktikerin das Präparat verkauft und bündelweise Geld kassiert. Unmittelbar nach Ausstrahlung des Beitrags brach im Netz ein Shitstorm aus, beispielsweise meinte ein User auf Facebook: "Unfassbar! Die Hoffnung Verzweifelter schamlos ausgenutzt!" Ein weiterer fand: "Solchen Quacksalbern muss der Laden dicht gemacht werden!" Wieder ein anderer kommentierte: "Die Gute gehört eingesperrt!" In eine ähnlich negative Richtung zielen die Bewertungen auf dem Ärzteportal Jameda: "Die Behandlung war sehr teuer und hat nichts gebracht", heißt es da. Oder: "Da sich der Gesundheitszustand verschlechterte, habe ich die Behandlung abgebrochen"; das Fazit jenes Users: "Viel Geld bezahlt, aber nicht der gewünschte Erfolg."

Es gibt aber auch andere Erfahrungen im Schrobenhausener Raum. So schreibt eine Dame auf Facebook: "Ich war vor Jahren in der Praxis. Könnte nix Negatives sagen." Und auch Fußballmanager Michael Koppold aus Langenmosen sagt: "Ich habe diverse Spieler, die wegen Problemen mit den Füßen und Leisten hingingen – rein fußballerisch war immer alles gut." Doch auch Koppold schränkt ein: "Ich würde nie wegen Krebs zu ihr gehen."

Professorinnentitel zu Recht?

Im TV-Beitrag wurde auch bezweifelt, dass die Heilpraktikerin ihren Professorinnentitel zu Recht führt. In Schrobenhausen hatte dieser Titel eine Weile ebenfalls für Aufsehen gesorgt. Nach Informationen der Redaktion ist die Frau wohl keine Akademikerin. Bei Stern TV geht man davon aus, dass sie ihren Titel an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder erworben hat. Auf Nachfrage unserer Zeitung schreibt die Uni, es lägen keine Informationen über die Schrobenhausenerin vor. "Sie hat hier weder einen Professorentitel verliehen bekommen, noch als Honorarprofessorin gearbeitet." Sie sei "auch nie als Studentin oder Gast-Hörerin an der Europa-Universität eingeschrieben" gewesen.

In einer Facebook-Gruppe hatte sich die Patientin, die sich an Stern TV wandte, nach ihrer Diagnose mit weiteren Betroffenen ausgetauscht. Auf einer Gartenparty lernte sie den Händler des Medikaments und die Heilpraktikerin kennen. Die habe ihr versichert, es sei "fünf vor zwölf", ihr Körper sei geschwächt von der Chemotherapie. "Ich hätte nicht mehr lange überlebt, wäre ich nicht zu ihr gekommen", soll die Heilpraktikerin der Patientin gesagt haben. Stimmt das alles so, hat sich die Schrobenhausenerin damit auch juristisch auf gefährliches Terrain begeben; schließlich ist es laut geltender Rechtslage verboten, Therapien mit Wirkungen und Erfolgen zu bewerben, die nicht wissenschaftlich nachweisbar sind.

Angeblich psychosomatische Störungen

Angesprochen auf die Verschlechterung des gesundheitlichen Zustands habe die Heilpraktikerin bei einem weiteren Besuch in Schrobenhausen psychosomatische Störungen als möglichen Grund für das Nichtanschlagen des Medikaments genannt, berichtet Sabine H. weiter. Sie kündigte an, Strafanzeige stellen zu wollen. Eine Anzeige liege bislang nicht vor, berichtet die Schrobenhausener Polizei – es würde nur dann ein Fall für die Polizei, wenn sich ein Geschädigter melden würde.

Seit über zehn Jahren ist die Schrobenhausenerin als Heilpraktikerin in ihrer Heimatstadt tätig. Beim Gesundheitsamt in Neuburg sei sie ordnungsgemäß gemeldet, wie eine Sprecherin des Landratsamtes Neuburg-Schrobenhausen mitteilt. Sie habe ihre 2008 erworbene Heilpraktiker-Urkunde im Original vorgezeigt, sei vor ihrer Niederlassung auch persönlich erschienen, auch sei bis dato nie eine Beschwerde eingegangen. Nun habe man vor, "die betroffene Dame zur Anhörung ins Amt einzuladen", um ihre Sicht der Dinge zu hören, so die Sprecherin weiter.

Keine Äußerung der Heilpraktikerin und des Händlers

Gegenüber Stern TV äußerte sich die Heilpraktikerin zu den Vorwürfen nicht. Am Donnerstag brannte in ihrer Praxis Licht, das Auto stand wie gewohnt vor der Tür. Auf ein Klingeln reagierte aber niemand. Am Telefon teilte die Tochter der Heilpraktikerin, die ebenfalls in der Praxis arbeitet, später mit: "Wir geben dazu keinen Kommentar ab!" Der Facebook-Account der Heilpraktikerin existiert mittlerweile nicht mehr.

Der Anbieter von BG-MUN, dem angeblichen Wundermittel gegen Krebs, kommt aus Ingolstadt. Auf eine telefonische Anfrage unserer Zeitung wollte er sich zu den Vorwürfen jedoch nicht äußern. "Nein, danke", sagte er und legte auf. An der im Internet angegebenen Ingolstädter Adresse, sucht man vergebens nach der Firma des Anbieters des vermeintlichen Krebsmittels. Seit gut zehn Jahren befindet sich dort ein Umweltschutz-Institut. Nach der Ausstrahlung der Stern-TV-Reportage ist auch ein großer Teil der Internet-Seiten, auf denen BG-MUN angeboten wurde, nicht mehr erreichbar. Allerdings nicht alle: Auf der einen Webseiten findet man im Impressum eine Adresse in Panama, auf einer weiteren ist eine kroatische Anschrift auf einem Bild von einer Kräuterteemischung abgedruckt. Und einmal befindet sich der Firmensitz angeblich auf Zypern. Seit den 1990er Jahren entwickelt und vertreibt der Ingolstädter Unternehmer kosmetische sowie medizinische Produkte und Geräte und ist in seiner Heimat bekannt.
Auch der Geschäftsführer einer Berliner Firma hat auf seiner Facebook-Seite BG-MUN beworben. Am Telefon teilte er unserer Zeitung mit, dass er den Ingolstädter 2015 kennengelernt habe. Dieser habe die gute Wirkung des Mittels angepriesen. Danach brach der Kontakt wieder ab.

Erst diese Woche wurde am Landgericht Nürnberg-Fürth ein 63-Jähriger Heilpraktiker und Volkswirt aus Mittelfranken zu vier Jahren Haft verurteilt, weil er nicht zugelassene Arzneimittel verkauft hatte. Jedoch handelte es sich nicht um BG-MUN, sondern um die umstrittene Vitamin-Öl-Emulsion "Rerum" und "Rerum blue", die er als Wunderheilmittel gegen Krebs an Patienten weitergab.






 

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