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PNP-Spendenaktion  |  07.12.2017  |  05:33 Uhr

Eltern verloren: Gefangen in der Warteschleife

von Eva Fischl

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Irgendwo da draußen ist ihre Mutter – doch sie hat ihre Kinder nach dem Tod ihres Mannes alleine zurückgelassen. Deshalb sind das syrische Flüchtlingsmädchen Arwa und ihre Geschwister seit einem Jahr im Übergangsheim von SOS-Kinderdörfer im Libanon untergebracht. Die Mitarbeiter der Hilfsorganisation hoffen, die Kinder mit der Familie ihres Vaters vereinen zu können. − Foto: Fischl

Irgendwo da draußen ist ihre Mutter – doch sie hat ihre Kinder nach dem Tod ihres Mannes alleine zurückgelassen. Deshalb sind das syrische Flüchtlingsmädchen Arwa und ihre Geschwister seit einem Jahr im Übergangsheim von SOS-Kinderdörfer im Libanon untergebracht. Die Mitarbeiter der Hilfsorganisation hoffen, die Kinder mit der Familie ihres Vaters vereinen zu können. − Foto: Fischl

Irgendwo da draußen ist ihre Mutter – doch sie hat ihre Kinder nach dem Tod ihres Mannes alleine zurückgelassen. Deshalb sind das syrische Flüchtlingsmädchen Arwa und ihre Geschwister seit einem Jahr im Übergangsheim von SOS-Kinderdörfer im Libanon untergebracht. Die Mitarbeiter der Hilfsorganisation hoffen, die Kinder mit der Familie ihres Vaters vereinen zu können. − Foto: Fischl


Traumatisiert vom Tod des Vaters und dem Verlust der Mutter warten Arwa und ihre Geschwister im Übergangsheim von SOS-Kinderdörfer auf einen Neubeginn.

Amal Rouhana wischt sich versteckt eine Träne aus dem Auge. "Ich hasse diesen Krieg. Kein Mensch versteht, was dort in Syrien passiert", sagt die Teamleiterin des libanesischen SOS-Übergangsheims in Khensara und streichelt der achtjährigen Arwa* über die dichten, schwarzen Haare. Arwa weint. Sie kann sich nicht mehr richtig an ein Lied erinnern, das ihr Vater immer gesungen hat. Seit einem Jahr lebt das syrische Flüchtlingsmädchen mit ihren drei Geschwistern in einem Haus, das SOS-Kinderdörfer im Libanon für Kinder wie Arwa geschaffen hat. Arwas Vater ist tot, von ihrer Mutter fehlt jede Spur.

Nachbarn kümmerten sich um die Kinder Die syrische Familie war nach Ausbruch des Krieges vor den Kämpfen in der Region Hama im Nordwesten des Landes in den Libanon geflohen. In der Hauptstadt Beirut versuchte die Familie Fuß zu fassen. Das ging einigermaßen gut bis zu jenem Tag vor eineinhalb Jahren, als der Familienvater beim Versuch, die Warmwasserleitung zu reparieren, vor den Augen seiner vier Kinder einen tödlichen Stromschlag erlitt.

"Alle vier Geschwister sind schwer traumatisiert", sagt Amal Rouhana. "Sie brauchen psychologische Betreuung." Arwa, ihre ältere Schwester und die jüngeren Brüder vermissen nicht nur den Vater. "Ich würde so gerne mit meiner Mama sprechen", sagt die Kleine. Niemand weiß, wo die Mutter der Kinder ist. Der Schicksalsschlag hat die Frau offenbar so aus der Bahn geworfen, dass sie ihre Kinder zurückließ. Nachbarn brachten die Kinder zu einer libanesischen Hilfsorganisation, die diese dann an das Übergangswohnheim von SOS-Kinderdörfer weitervermittelten.

In dem SOS-Haus haben sich die Kinder gut eingelebt. "Ich mag alles hier, die Zeichnungen an den Wänden, die Erzieher, die mit uns spielen. Und das Essen schmeckt mir auch", sagt Arwa. Die Achtjährige und ihre ältere Schwester müssten schon längst in eine reguläre Schule gehen. Doch ohne gültige Papiere sind den SOS-Mitarbeitern die Hände gebunden, erzählt Amal. "Die Behörden erlauben nur legal anerkannten Flüchtlingskindern, die Schule zu besuchen. Jetzt unterrichten wir die Kinder bei uns, so gut es geht. Damit sie wenigstens lesen und schreiben lernen."

Doch das kann keine dauerhafte Lösung für die Kinder sein. Amal und ihre Kollegen haben einen Onkel der Kinder ausfindig gemacht, der in Marokko lebt und der die Kinder seines verstorbenen Bruders zu sich holen möchte. "Der Onkel versucht derzeit, den Kindern gültige Ausweise zu besorgen", sagt Amal. "Er ist ein guter Mann." Arwa und ihre Geschwister kennen den Onkel und mögen ihn – dennoch hängt ihr Herz an der vermissten Mutter.

Arwas ältere Schwester Halima drückt ihr Kuscheltier fest an sich. Dann sagt sie mit brüchiger Stimme: "Ich verstehe nicht, warum sie uns verlassen hat. Wir waren doch sehr glücklich mit ihr."

Amal Rouhana bricht es jedes Mal selbst das Herz, wenn sie ihre Schützlinge so leiden sieht. "23 Kinder und Jugendliche leben zurzeit bei uns im Übergangsheim, sie stammen alle aus Syrien. Normalerweise bleiben sie drei bis sechs Monate hier, aber manche Kinder leben auch schon seit 2014 bei uns im Haus, weil wir ihre Identität nicht klären können." Oberstes Ziel sei es, die Kinder in Zusammenarbeit mit dem UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) mit ihren Ursprungsfamilien zu vereinen, erklärt Amal. Doch das gelinge nicht mal in der Hälfte aller Fälle. Manchmal, weil die Eltern tot seien. Manchmal, weil die Kinder misshandelt oder missbraucht worden seien und daher nicht zu ihren Familien zurückgeschickt werden könnten. Für solche Kinder bemühen sich die SOS-Mitarbeiter dann um einen Platz in einem Kinderdorf oder in einer anderen Einrichtung.

SOS begleitet auch vermittelte KinderDoch selbst im Idealfall, wenn Familienangehörige gefunden wurden, macht es Amal oft Angst, die Kinder wieder aus der Hand zu geben. "Hier bei uns haben sie alles, was sie brauchen. Das wissen wir oft nicht von den Familien. Die meisten sind sehr arm, leben in Flüchtlingscamps mit unhygienischen Zuständen." Deshalb gilt bei SOS die Regel einer sechs Monate langen Nachbetreuung. Haben die Mitarbeiter den Verdacht, dass es den Kindern nicht gut geht, können sie sie mit richterlichem Beschluss zurückholen.

Für Arwa und ihre Geschwister hofft Amal, dass sich ihre Situation schnell klärt und sie bei ihrem Onkel ein neues Leben beginnen können. "Ihre Mutter will sie offenbar nicht. Wer verlässt schon vier Kinder?", sagt Amal nachdenklich, als Arwa außer Hörweite ist. "Doch das können wir den Kindern natürlich nicht sagen. Ich hasse diesen Krieg."

* Die Kindernamen wurden auf Wunsch von SOS-Kinderdörfer zu ihrem Schutz geändert.

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